Was ist der Citrusbockkäfer?
Der Citrusbockkäfer (Anoplophora chinensis) ist eine invasive Käferart, deren natürlicher Lebensraum Ostasien ist. Dieser Schädling gehört zur Familie der Bockkäfer (Cerambycidae) und ernährt sich vom Kambium und Kernholz von Laubbäumen, was in den meisten Fällen zum Absterben des befallenen Baumes führt.
In der Türkei wurde dieser Schädling erstmals 2014 in Istanbul nachgewiesen. Im Jahr 2018 breitete er sich auf die Haselnussplantagen in Trabzon-Maçka aus und begann dort eine erhebliche Bedrohung darzustellen. In befallenen Haselnussplantagen verursachte er Ertragsverluste von bis zu 50 % und das vollständige Absterben ganzer Haselnussstöcke.
Ernste Bedrohung
Im Gegensatz zu einheimischen Schädlingen verursacht der Citrusbockkäfer nicht nur Ertragsverluste, sondern führt zum vollständigen Absterben des Haselnussbaumes. Er zerstört das Stamm- und Wurzelsystem des befallenen Baumes und verursacht irreversible Schäden.
Erkennungsmerkmale
Adulter Käfer
- Größe: 20–35 mm lang, kräftig gebaut
- Farbe: Glänzend schwarzer Körper mit weißen Flecken
- Fühler: 1,5- bis 2-mal so lang wie der Körper, schwarz-blau geringelt
- Beine: Blau-schwarz gefärbt
- Geschlechtsunterschied: Beim Männchen sind die Fühler länger als der Körper, beim Weibchen etwa körperlang
Larve
- Größe: Erreicht bei Reife 40–50 mm
- Farbe: Cremeweiß, beinlos
- Kopf: Braun, mit kräftigen Kiefern ausgestattet
- Lebensraum: In Gängen innerhalb des Stammes und der dicken Äste
Ei
- Größe: Etwa 5–7 mm
- Farbe: Cremeweiß, oval
- Ablageplatz: Unter der Stammrinde, in einer vom Weibchen mit den Kiefern genagten „T”-förmigen Kerbe
Lebenszyklus
Der Citrusbockkäfer hat einen ein- bis zweijährigen Lebenszyklus. Je nach klimatischen Bedingungen variiert die Dauer einer vollständigen Generation.
Periodenübersicht
September – April: Larven- und Puppenphase (im Baum) Mai – August: Adultenphase (Flug, Paarung, Eiablage)
Eiphase (Sommer)
Das Weibchen nagt mit den Kiefern eine T-förmige Kerbe in die Stammrinde und legt in jede Kerbe ein Ei. Ein Weibchen kann während seines Lebens 70–200 Eier ablegen. Die Eier werden in der Regel am Stamm bis zu einer Höhe von 30–40 cm über dem Boden abgelegt.
Larvenphase (Herbst – Frühjahr)
Die geschlüpfte Larve ernährt sich zunächst unter der Rinde und dringt dann in das Holzgewebe des Baumes ein. Die Larve frisst breite Gänge in der Kambiumschicht und im Kernholz. Diese Gänge unterbrechen das Nährstoff- und Wasserleitsystem des Baumes und führen mit der Zeit zum Absterben.
Puppenphase (Frühjahr)
Die ausgewachsene Larve bildet am Ende ihres Ganges im Baum eine Puppenkammer. Die Verpuppungszeit dauert 2–4 Wochen.
Adultenphase (Mai – August)
Der adulte Käfer bohrt ein 8–12 mm großes rundes Ausflugloch in den Baumstamm und schlüpft nach außen. Die Lebensdauer der Adulten beträgt 1–2 Monate. In dieser Zeit paaren sie sich und legen Eier ab. Die Adulten haben eine Flugkapazität von 500 Metern bis 2 km, was die Ausbreitung des Schädlings auf benachbarte Plantagen ermöglicht.
Schadenssymptome in Haselnussplantagen
Symptome am Stamm
- Ausfluglöcher: 8–12 mm große runde Löcher im Stamm (deutlichstes Anzeichen)
- Bohrmehlhaufen: Angesammeltes Holzbohrmehl (Fraß) am Stammfuß und um die Löcher herum
- Rindenabhebungen: Aufwölbungen der Rinde durch Eiablagekerben
- Saftaustritt: Klebrige Saftausscheidungen aus dem Stamm
Allgemeine Baumsymptome
- Blattwelke: Vergilbung und Welken an den Triebspitzen
- Aststerben: Äste, deren Versorgung durch Larvengänge unterbrochen wurde, sterben plötzlich ab
- Kronenverlichtung: Zunehmender Blattverlust im oberen Kronenbereich
- Triebverkürzung: Neue Triebe bleiben kürzer als normal
- Baumtod: In fortgeschrittenen Stadien vollständiges Absterben des Baumes
Früherkennung ist lebenswichtig
Wenn Sie Löcher und Bohrmehlhaufen am Stamm entdecken, melden Sie dies unverzüglich der Provinz- oder Kreisdirektion für Landwirtschaft und Forsten. Frühzeitige Erkennung ist der wichtigste Schritt, um die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern.
Ausbreitungsgeschichte in der Türkei
Erster Nachweis: Istanbul (2014)
Der Citrusbockkäfer wurde in der Türkei erstmals am 12. Juni 2014 in der Baumschule Kumbaba im Istanbuler Bezirk Şile nachgewiesen. Der Schädling wurde an Ahorn- und Weidenbäumen gefunden. Am 17. Juni 2014 wurde im Amtsblatt eine Bekämpfungsverordnung veröffentlicht.
Übergriff auf Haselnussplantagen: Trabzon (2018)
Im Jahr 2018 trat der Schädling in Haselnussplantagen im Stadtteil Esiroğlu des Bezirks Maçka in Trabzon auf. Untersuchungen zufolge wurde der Käfer zwischen 2016 und 2017 durch befallene Setzlinge, die von der Stadtverwaltung Istanbul an die Baumschule der Stadtverwaltung Trabzon geliefert wurden, in die Region eingeschleppt. Da sich die Baumschule innerhalb des Stadtteils Maçka/Esiroğlu befand, konnte sich der Schädling leicht auf die umliegenden Haselnussplantagen ausbreiten.
Bekämpfungsmaßnahmen (2018–2021)
| Zeitraum | Maßnahme | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2018–2020 | Chemische Bekämpfung | Unzureichend, Ausbreitung ging weiter |
| Winter 2020 | Beginn der Rodung befallener Plantagen | Wirksam, aber zu spät eingeleitet |
| April 2021 | Bekämpfungsfläche erreichte 3.600 Dekar | Rodung zu 99 % abgeschlossen (offizielle Angabe) |
Betroffenes Gebiet
Laut Satellitenbildern und Fernerkundungsanalysen wurde die Fläche der vernichteten Haselnussplantagen auf 2.296,6 Dekar ermittelt. Betroffene Stadtteile:
Bezirk Maçka: Günay, Esiroğlu, Barışlı, Hızarlı, Alaçam, Yeniköy Bezirk Ortahisar: Çağlayan
Die größten Schäden traten in den Stadtteilen Esiroğlu und Günay auf.
Bekämpfungsmethoden
Vernichtung (Rodung)
Gemäß der offiziellen Bekämpfungsverordnung ist die wirksamste Methode die vollständige Vernichtung des befallenen Pflanzenmaterials:
- Befallene Bäume werden mit der Wurzel gerodet und verbrannt
- Auf der gerodeten Fläche dürfen mindestens 2 Jahre lang keine neuen Haselnüsse gepflanzt werden
- Die Vernichtung sollte im Winter (Larven- und Puppenphase) durchgeführt werden
Keine Alternative zur Vernichtung
Da die Larve im Kernholz des Baumes lebt, ist es nahezu unmöglich, sie durch Pflanzenschutzmittel zu erreichen. Daher ist die Rodung und Vernichtung befallener Bäume die zuverlässigste Bekämpfungsmethode.
Quarantäne und Pufferzone
Gemäß der Verordnung im Amtsblatt muss um die vernichteten Haselnussplantagen eine mindestens 2 km breite Pufferzone eingerichtet werden:
- Plantagen innerhalb der Pufferzone werden zweimal jährlich untersucht
- Es wird nach Anzeichen des Schädlings gesucht, um Früherkennungen zu ermöglichen
- Die in Trabzon eingerichtete Pufferzone umfasst ein Gebiet von 13.687,4 Dekar
Setzlingskontrolle
Der Transport befallener Setzlinge ist der größte Risikofaktor für die Ausbreitung des Schädlings:
- Aus der Pufferzone entnommene Setzlinge dürfen nicht zur Anlage neuer Plantagen verwendet werden
- Bei Setzlingstransporten ist ein Pflanzengesundheitszeugnis erforderlich
- Verdächtige Baumschulen müssen regelmäßig kontrolliert werden
Chemische Bekämpfung (begrenzte Wirkung)
Die chemische Bekämpfung allein ist unzureichend, kann aber während der Adultenphase unterstützend eingesetzt werden:
- Adultenphase: Stammbehandlung zwischen Mai und August
- Stammanstrich: Anstrich des unteren Stammbereichs mit einer Kalk-Insektizid-Mischung
- Systemische Insektizide: Injektion in den Baum (begrenzter Erfolg)
Mechanische Bekämpfung
- Drahtmethode: Mit einem dünnen Draht wird in die Larvengänge eingedrungen, um die Larve mechanisch abzutöten
- Adultensammlung: Während der Adultenphase werden am Stamm sichtbare Käfer per Hand gesammelt und vernichtet
- Fangbäume: Durch das Pflanzen attraktiver Baumarten werden die Käfer dorthin gelockt
Wie Sie Ihre Plantage kontrollieren
Erzeuger, deren Haselnussplantagen sich innerhalb der Pufferzone oder in Risikogebieten befinden, sollten regelmäßige Kontrollen durchführen:
Kontrollzeitpunkt
- Während des winterlichen Stockausputzens den Stamm kontrollieren
- Von Mai bis August auf adulte Käfer achten
Kontrollpunkte
- Untersuchen Sie den Haselnussstamm bis zu einer Höhe von 30 cm über dem Boden
- Suchen Sie nach runden Löchern (8–12 mm Durchmesser)
- Prüfen Sie, ob sich am Stammfuß Bohrmehl angesammelt hat
- Suchen Sie in der Rinde nach T-förmigen Kerben oder Aufwölbungen
- Achten Sie auf plötzliches Aststerben oder Blattwelke
Meldepflicht
Der Citrusbockkäfer hat den Status eines Quarantäneschädlings. Wenn Sie einen verdächtigen Fund feststellen, melden Sie dies sofort der Provinz- oder Kreisdirektion für Landwirtschaft und Forsten. Eine frühzeitige Meldung ist der wichtigste Schritt, um die Ausbreitung des Schädlings einzudämmen.
Risikogebiete
Der Citrusbockkäfer ist derzeit außerhalb der Provinz Trabzon offiziell nicht als Befall registriert. Folgende Faktoren erhöhen jedoch das Risiko:
- Unkontrollierter Setzlingshandel: Möglichkeit des Transports befallener Setzlinge in andere Provinzen
- Breites Wirtsspektrum: Nicht nur auf Haselnuss beschränkt; der Käfer kann auf Ahorn, Weide, Buche, Pappel und vielen anderen Laubbäumen leben
- Klimatoleranz: Die hohe Klimatoleranz des Schädlings erhöht seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Regionen
- Waldanbindung: Niederwälder in der Umgebung von Haselnussplantagen bieten dem Schädling alternative Lebensräume
Fazit
Der Citrusbockkäfer stellt für den türkischen Haselnussanbau eine weitaus größere Bedrohung als einheimische Schädlinge dar. Diese invasive Art, die befallene Bäume zum Absterben bringt, hat in den Haselnussplantagen von Trabzon-Maçka zur Vernichtung von Tausenden Dekar Fläche geführt.
Für eine erfolgreiche Bekämpfung gilt:
- Früherkennung ist der wichtigste Schritt — kontrollieren Sie Ihre Plantage regelmäßig
- Bei verdächtigen Funden melden Sie dies sofort der Landwirtschaftsdirektion
- Kaufen Sie keinesfalls unkontrollierte Setzlinge
- Wenn Sie sich innerhalb der Pufferzone befinden, führen Sie zweimal jährlich eine gründliche Kontrolle durch
- Gesellschaftliches Bewusstsein und gemeinsame Bekämpfung sind unerlässlich, um die Ausbreitung des Schädlings zu stoppen
Die Türkei deckt etwa 70 % der weltweiten Haselnussproduktion. Sollte dieser Schädling nicht unter Kontrolle gebracht werden, wird dies direkte Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und den Lebensunterhalt von rund 400.000 Familien haben. Bewusster Anbau und rechtzeitiges Eingreifen sind für die Zukunft unserer Haselnussplantagen von entscheidender Bedeutung.
Für den allgemeinen Bekämpfungskalender gegen Haselnussschädlinge lesen Sie unseren Pflanzenschutzkalender und für weitere Schädlinge unseren Haselnussbohrer-Ratgeber.
📚 Hızal et al. (2015) - Erstnachweis von A. chinensis in der Türkei 📚 Tuncer et al. (2019) - Neue Schädlingsarten in Haselnussplantagen 📚 Bozkurt (2018) - Bekämpfungsmanagement invasiver Insekten 📚 Provinzdirektion für Landwirtschaft und Forsten Trabzon📚Quellen
- Hızal et al. (2015) - Zeitschrift der Forstfakultät der Universität Istanbul
- Tuncer et al. (2019) - Black Sea Journal of Agriculture
- Bozkurt (2018) - Zeitschrift für Naturkatastrophen und Umwelt
- Türkisches Ministerium für Landwirtschaft und Forsten - Provinzdirektion Trabzon
- Amtsblatt (17.06.2014, Nr. 29033) - Bekämpfungsverordnung


