Haselnuss-Spritzkalender: Jahresprogramm gegen alle Schädlinge
Schadlingsbekampfung

Haselnuss-Spritzkalender: Jahresprogramm gegen alle Schädlinge

Spritzkalender für die Haselnussplantage: Spritzzeitpunkte, Aufwandmengen und Regeln gegen alle Schädlinge und Krankheiten von Februar bis Oktober.

Warum ist ein Spritzkalender so wichtig?

In Haselnussplantagen kommen Dutzende von Schadinsekten und Krankheitserregern vor. Jeder Schädling hat seine eigene Aktivitätsphase, und wird nicht zum richtigen Zeitpunkt eingegriffen, bleibt die Bekämpfung wirkungslos. Der Spritzkalender ist ein Leitfaden, der zeigt, wann gegen welchen Schädling vorzugehen ist.

Die Vorteile eines jährlichen Spritzkalenders:

  • Rechtzeitiges Eingreifen: Jeder Schädling wird in seiner empfindlichsten Phase behandelt
  • Kostenersparnis: Überflüssige Spritzungen werden vermieden
  • Umweltschutz: Maximale Wirkung mit minimalem Mitteleinsatz
  • Ertragssicherheit: Ernteverluste werden verhindert
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Das Prinzip der Schadschwelle

Für jeden Schädling gibt es eine wirtschaftliche Schadschwelle. Die Entscheidung für eine Spritzung sollte davon abhängen, ob die Schädlingspopulation diese Schwelle überschreitet. Spritzen Sie nicht wegen jedes einzelnen Käfers, den Sie sehen — Ihre Landwirtschaftsbehörde informiert Sie über die geltenden Schwellenwerte.

Zeitraum Februar-März

Das Winterende und der frühe Frühling sind der ideale Zeitraum für die Winterbekämpfung einiger Schädlinge.

Haselnuss-Knospengallmilbe

Schädling: Haselnuss-Knospengallmilbe (Phytoptus avellanae) Zeitraum: Februar-März (Phase des Knospenschwellens)

Die Knospengallmilbe lebt in den Haselnussknospen und verursacht deren abnorme Schwellung. Befallene Knospen bringen keine Früchte hervor.

Bekämpfung:

  • Mechanisch: Sammeln Sie die geschwollenen Knospen von Hand ab und vernichten Sie sie (wirksamste Methode)
  • Chemisch: Anwendung eines Schwefelpräparates (zur Zeit des Knospenaustriebs)
  • Zeitpunkt: Ende Februar - Anfang März, bevor die Knospen aufbrechen

Kommaschildlaus

Schädling: Kommaschildlaus (Lepidosaphes ulmi) Zeitraum: Februar (Winterspritzung)

Sie bildet auf Ästen und Stamm braune, kommaförmige Schilde. Bei starkem Befall wird der Strauch geschwächt und die Äste vertrocknen.

Bekämpfung:

  • Winteröl: Anwendung von 3%igem Winteröl (Mineralöl)
  • Zeitpunkt: Nach dem Blattfall, vor dem Knospenaustrieb
  • Anwendung: Stamm und Äste müssen gründlich benetzt werden

Zeitraum April

Mit fortschreitendem Frühling werden Pilzkrankheiten und einige Schädlinge aktiv.

Mehltau

Krankheit: Mehltau (Phyllactinia guttata / Erysiphe corylacearum) Zeitraum: Ende April - Anfang Mai (erste Spritzung)

Eine Pilzkrankheit, die auf den Blättern einen weißen, mehligen Belag bildet. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Mehltau-Ratgeber.

Bekämpfung:

  • 1. Spritzung: Ende April, bei den ersten Symptomen oder vorbeugend
  • Mittel: Netzschwefel oder flüssiger Schwefel (erste Wahl), Triazolgruppe (bei starkem Befall)
  • Wiederholung: Bei Bedarf 2. Anwendung nach 15-20 Tagen

Grüne Stinkwanze

Schädling: Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) Zeitraum: April-Juli

Saugt an der Haselnussfrucht und verursacht dadurch faulige Flecken im Kern („stinkende Nuss”). Bei starkem Befall sind die Ertragsverluste erheblich.

Bekämpfung:

  • Monitoring: Populationsüberwachung mit Pheromonfallen
  • Chemisch: Mittel der Pyrethroidgruppe (bei Überschreiten der Schadschwelle)
  • Zeitpunkt: Im Juni während der Fruchtentwicklung

Zeitraum Mai-Juni

Dies ist der arbeitsintensivste Spritzzeitraum des Jahres. Unter Umständen muss gleichzeitig gegen mehrere Schädlinge vorgegangen werden.

Haselnussbohrer

Schädling: Haselnussbohrer (Curculio nucum) Zeitraum: Ende Mai - Anfang Juni (entscheidend)

Der bedeutendste Schädling der Haselnuss. Der adulte Käfer legt sein Ei in die Nuss, die Larve entwickelt sich, indem sie den Kern auffrisst. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Bekämpfung des Haselnussbohrers.

Bekämpfung:

  • 1. Spritzung: Ende Mai, wenn die Adulten aus dem Boden schlüpfen
  • 2. Spritzung: 15-20 Tage später (bei Bedarf)
  • Mittel: Lambda-Cyhalothrin, Alpha-Cypermethrin, Deltamethrin
  • Achtung: Es muss gespritzt werden, bevor die Eier abgelegt werden
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Zeitpunkt beim Haselnussbohrer

Bei der Spritzung gegen den Haselnussbohrer führt schon eine Verzögerung von 1-2 Wochen zu großen Ertragsverlusten. Haben die adulten Käfer ihre Eier erst abgelegt, bleibt die Spritzung wirkungslos. Verfolgen Sie die Warnmeldungen Ihrer Landwirtschaftsbehörde.

Haselbock

Schädling: Haselbock (Oberea linearis) Zeitraum: Mai-Juni

Er nagt an den Triebspitzen ringförmige Einschnitte und lässt dadurch die Zweige vertrocknen.

Bekämpfung:

  • Mechanisch: Sammeln Sie die vertrocknenden Triebspitzen ein und vernichten Sie sie
  • Chemisch: Kann zeitgleich mit der Spritzung gegen den Haselnussbohrer erfolgen
  • Zeitpunkt: Mai-Juni, während des Flugs der Adulten

Zeitraum Juli-August

Dies ist der letzte Bekämpfungszeitraum vor der Ernte. Auf die Wartezeiten ist besonders zu achten.

Marmorierte Baumwanze

Schädling: Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) Zeitraum: Juli-September

Eine invasive Art, die an der Haselnussfrucht saugt und dadurch Fäulnis im Kern verursacht. Sie bereitet in den letzten Jahren erhebliche Probleme.

Bekämpfung:

  • Monitoring: Regelmäßige Überwachung mit Pheromonfallen
  • Chemisch: Mittel der Pyrethroidgruppe (bei Überschreiten der Schadschwelle)
  • Achtung: Halten Sie die Wartezeiten vor der Ernte strikt ein
  • Biologisch: Die Arbeiten mit dem Eiparasitoiden Trissolcus japonicus dauern an

Amerikanischer Weißer Bärenspinner

Schädling: Amerikanischer Weißer Bärenspinner (Hyphantria cunea) Zeitraum: 1. Generation: Juni-Juli / 2. Generation: August-September

Die Raupen bauen Gespinstnester an den Blättern und fressen darin gesellig. Bei starkem Befall kann der Strauch sein Laub vollständig verlieren.

Bekämpfung:

  • Mechanisch: Reißen Sie die Gespinstnester von den Ästen ab und vernichten Sie sie (wirksamste Methode)
  • Chemisch: Bevorzugen Sie Bacillus thuringiensis (Bt) — selektiv und umweltschonend
  • Zeitpunkt: Solange die Raupen noch klein sind (sobald die Nester sichtbar werden)
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Schutz der Honigbienen

Beim Spritzen ist der Schutz der Honigbienen von entscheidender Bedeutung. Spritzen Sie während der Blüte auf keinen Fall. Führen Sie die Spritzung in den Abendstunden (nach Ende des Bienenflugs) oder früh am Morgen (bevor die Bienen ausfliegen) durch.

Allgemeine Spritzregeln

Grundregeln, die bei jeder Spritzung einzuhalten sind:

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Schutzausrüstung ist Pflicht

Bei jeder Spritzung sind Maske (Halb- oder Vollmaske), Schutzbrille, Handschuhe, langärmelige Kleidung und Stiefel zwingend zu tragen. Waschen Sie nach der Spritzung Hände und Gesicht mit Wasser und Seife und wechseln Sie die Kleidung.

Anwendungsregeln:

  • Wind: Spritzen Sie nicht, wenn die Windgeschwindigkeit über 5 km/h liegt. Abdrift führt sowohl zu Wirkungsverlust als auch zu Umweltbelastung
  • Niederschlag: Beenden Sie die Spritzung mindestens 2 Stunden vor einem Regen. Regen wäscht das Mittel ab
  • Temperatur: Spritzen Sie nicht über 35 °C (das Mittel verdunstet)
  • Tageszeit: Spritzen Sie früh am Morgen (06-09 Uhr) oder abends (17-20 Uhr)

Regeln zur Aufwandmenge:

  • Halten Sie die Aufwandmenge auf dem Etikett strikt ein — mehr Mittel wirkt nicht besser
  • Mischen Sie die Mittel mit sauberem Wasser an
  • Reihenfolge beim Ansetzen: Füllen Sie den Tank zunächst zur Hälfte mit Wasser, geben Sie das Mittel hinzu und füllen Sie dann mit dem restlichen Wasser auf
  • Verbrauchen Sie die angesetzte Brühe am selben Tag, lassen Sie sie nicht stehen
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Reihenfolge beim Mischen

Werden mehrere Mittel gemischt, kommt es auf die Reihenfolge an: Zuerst die Pulverformulierungen (WP, WG), danach die Flüssigkeiten (SC, EC). Prüfen Sie die Mischbarkeitstabelle oder fragen Sie bei Ihrer Landwirtschaftsbehörde nach.

Wartezeiten vor der Ernte:

  • Halten Sie die auf dem Etikett angegebene Wartezeit (in Tagen) jedes Mittels unbedingt ein
  • Bevorzugen Sie mit näher rückender Ernte Mittel mit kurzer Wartezeit
  • Ernten Sie nicht vor Ablauf der Wartezeit — Rückstände stellen ein Gesundheitsrisiko dar

Tabelle: Der Spritzkalender im Jahresverlauf

ZeitraumSchädling / KrankheitWirkstoffgruppeAnwendung
FebruarKommaschildlausWinteröl (3 %)Stamm und Äste
Februar-MärzKnospengallmilbeSchwefel / mechanisches AbsammelnKnospenphase
MärzTriebmottePyrethroidKnospenschwellen
Ende AprilMehltau (1. Spritzung)Schwefel / TriazolBlattflächen
Anfang MaiMehltau (2. Spritzung)Triazol / Strobilurin15-20 Tage später
Ende MaiHaselnussbohrer (1. Spritzung)Lambda-Cyhalothrin / DeltamethrinGesamte Krone
Anfang JuniGrüne StinkwanzePyrethroidBei Überschreiten der Schadschwelle
Mitte JuniHaselnussbohrer (2. Spritzung)Alpha-CypermethrinWiederholung bei Bedarf
JuniHaselbockPyrethroidGemeinsam mit der Bohrerspritzung
Juni-JuliAmerikanischer Weißer Bärenspinner (1. Generation)Bt / PyrethroidSobald Gespinstnester sichtbar sind
JuliMarmorierte BaumwanzePyrethroidBei Überschreiten der Schadschwelle
AugustAmerikanischer Weißer Bärenspinner (2. Generation)BtAuf die Wartezeit achten

Hinweis: Diese Tabelle ist ein allgemeiner Leitfaden. Mittelwahl, Aufwandmenge und Zeitpunkt sind nach den Empfehlungen der Provinzdirektion für Landwirtschaft zu aktualisieren. Die Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel kann sich jedes Jahr ändern.

Fazit

Eine erfolgreiche Schädlings- und Krankheitsbekämpfung in der Haselnussplantage beruht auf dem Dreiklang aus richtigem Zeitpunkt, richtigem Mittel und richtiger Aufwandmenge. Hängen Sie den Spritzkalender in Ihrer Plantage auf und verfolgen Sie die saisonalen Warnmeldungen Ihrer Landwirtschaftsbehörde.

Zusammenfassend:

  • Entscheiden Sie anhand der Schadschwelle über eine Spritzung und vermeiden Sie unnötige Anwendungen
  • Greifen Sie in der aktiven Phase des jeweiligen Schädlings ein
  • Tragen Sie unbedingt die Schutzausrüstung
  • Schützen Sie die Honigbienen und spritzen Sie nicht während der Blüte
  • Führen Sie eine Rotation verschiedener Wirkstoffgruppen durch
  • Halten Sie die Wartezeiten vor der Ernte ein

Ausführliche Ratgeber zu einzelnen Schädlingen finden Sie in unseren Beiträgen zum Haselnussbohrer und zum Mehltau. Allgemeine Informationen zur Pflege behandeln wir in eigenen Ratgebern.

📚 FİSKOBİRLİK 📚 Haselnuss-Forschungsinstitut

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