Ungleicher Holzbohrer an Haselnuss (Xyleborus dispar): Symptome, Fallen und Spritztermin
Schadlingsbekampfung

Ungleicher Holzbohrer an Haselnuss (Xyleborus dispar): Symptome, Fallen und Spritztermin

Ungleicher Holzbohrer / dalkıran (Xyleborus dispar): 2 mm große Löcher im Zweig und austretender Saft. Wann rote Leimfallen hängen, warum Anfang Juli gespritzt wird und warum ganze Sträucher absterben.

Was ist der Ungleiche Holzbohrer?

Der Ungleiche Holzbohrer (Xyleborus dispar) ist ein Borkenkäfer (Scolytidae) von 2-3,5 mm Länge, dunkelbraun bis schwarz, kurz und zylindrisch gebaut. In der Klassifikation des türkischen Landwirtschafts- und Forstministeriums lautet der amtliche Name dieses Käfers „Dalkıran“.

Anders als die meisten übrigen Schädlinge frisst der Holzbohrer weder Blätter noch Früchte. Das Weibchen bohrt ein rundes Loch von etwa 2 mm Durchmesser in die Rinde eines Zweiges oder des Stammes, dringt ins Holz ein und legt dort Gänge an. Worauf es sich in diesen Gängen ernährt, ist nicht die Pflanze selbst, sondern ein Ambrosiapilz, den es an den Gangwänden kultiviert. Der Schaden entsteht dadurch, dass der Gang die Wasser- und Nährstoffbahnen durchtrennt.

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Geschwächte und gestresste Sträucher sind das Ziel

Der Holzbohrer besiedelt gesunde, wüchsige Sträucher nur selten. Sein bevorzugtes Ziel sind Sträucher, die durch Trockenstress, schlechte Drainage, übermäßigen Schnitt, Frost oder Krankheit geschwächt sind. Deshalb liegt der dauerhafteste Teil der Bekämpfung nicht im Pflanzenschutzmittel, sondern in der allgemeinen Gesundheit des Gartens.

Zwei verschiedene Schädlinge mit demselben Namen

Am Schwarzen Meer wird der Name dalkıran für zwei verschiedene Käfer verwendet, und ihre Bekämpfungszeitpunkte unterscheiden sich vollständig. Eine Fehldiagnose kostet die ganze Saison:

Holzbohrer (diese Seite)Linienbock
Lateinischer NameXyleborus disparOberea linearis
Größe2-3,5 mm, kurz und gedrungen11-15 mm, schlank und lang
SymptomRunde Löcher von 2 mm in Zweig/Stamm, Saftaustritt darausDie Triebspitze trocknet ein und bleibt hängen
Was abstirbtDer ganze Zweig, schließlich der gesamte StrauchNur die Triebspitze (10-30 cm)
SpritzterminAnfang JuliMitte Mai
RatgeberDiese SeiteHaselnuss-Linienbock
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Eine Frage genügt zur Unterscheidung

Gehen Sie in den Garten und sehen Sie sich an, was abstirbt: nur die Spitze des Triebes oder der ganze Zweig? Ist die Spitze eingetrocknet und hängt am Zweig, ist es der Linienbock. Stirbt der ganze Zweig ab und weist die Rinde Löcher auf, ist es der Holzbohrer.

Schadsymptome

  • Runde Löcher von 2 mm: saubere, exakt runde Einbohrstellen an Zweig und Stamm, wie mit einer Nadel gestochen. Das ist das sicherste Anzeichen
  • Saftaustritt: aus dem Loch tritt Pflanzensaft aus und hinterlässt feuchte, dunkle Flecken. Bei feuchter Witterung ist das deutlicher zu sehen
  • Weißliches Bohrmehl: feines, helles Holzmehl sammelt sich am Locheingang oder auf dem Boden unter dem Zweig
  • Absterben des ganzen Zweigs: weil der Gang die Leitbahnen durchtrennt, welken sämtliche von diesem Zweig versorgten Blätter
  • Absterben des Strauchs: bei starkem Befall wird der Stamm durchlöchert und der gesamte Strauch stirbt ab
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Ein abgestorbener Strauch kommt nicht zurück

Beim Linienbock verlieren Sie einige Triebe und die Knospen des Folgejahres. Beim Holzbohrer stirbt, sobald der Stamm befallen ist, der gesamte Strauch — und ihn neu aufzubauen dauert Jahre. Warten Sie deshalb nicht, wenn Sie frische Löcher und Saftaustritt im Garten sehen.

Lebenszyklus und Käferschlupf

Der Holzbohrer bildet eine Generation im Jahr und überwintert als ausgewachsener Käfer im angelegten Gang. Der Schlupf erfolgt in zwei Wellen, und maßgeblich für den Bekämpfungstermin ist die zweite:

PhaseMonatWas geschieht
Erster SchlupfMärz – AprilDie ersten Käfer erscheinen, sobald die Lufttemperatur 18-20 °C erreicht. Diese Welle ist zahlenmäßig gering
HauptschlupfEnde Juni – erste Augustwoche80-85 % der Population schlüpfen in diesem rund sechswöchigen Fenster
BesiedlungJuni – AugustDas Weibchen bohrt sein 2-mm-Loch in einen neuen Zweig, legt einen Gang an und bringt den Ambrosiapilz ein
EntwicklungAugust – OktoberDie Larven ernähren sich im Gang vom Pilz
ÜberwinterungNovember – FebruarDie ausgewachsenen Käfer überwintern im Gang

Bekämpfungsverfahren

1. Kulturmaßnahmen (die dauerhafteste Lösung)

Da dieser Käfer Schwäche ausnutzt, liegt die eigentliche Bekämpfung darin, den Garten kräftig zu halten:

  • Befallene Zweige herausschneiden und verbrennen: durchlöcherte und absterbende Zweige bis ins gesunde Gewebe zurückschneiden. Die geschnittenen Zweige am Gartenrand aufzuschichten genügt nicht — die Käfer darin schließen ihren Schlupf ab. Sie müssen verbrannt werden
  • Abgestorbene Sträucher nicht stehen lassen: ein toter Strauch ist das Brutreservoir der nächsten Generation im Garten
  • Drainage verbessern, Trockenstress vermeiden: Sträucher in staunassem Boden oder solche, die im Sommer ohne Wasser bleiben, werden zuerst befallen
  • Ausgewogen düngen: ein unterversorgter Strauch wird leichter besiedelt. Siehe unser Düngeprogramm
  • Luftig schneiden: Schnittratgeber

2. Biotechnische Bekämpfung (rote geflügelte Leimfallen)

Beim Holzbohrer wirken Fallen — anders als beim Linienbock — tatsächlich, sowohl zur Überwachung als auch zum Massenfang.

BefallsstärkeFallen je DekarAufhängezeitraum
Hoch6-8 FallenEnde Juni – August
Mittel3-4 FallenEnde Juni – August

Die Fallen sollten so hängen, dass sie den Zeitraum Juli-August abdecken, in dem 80-85 % der Population schlüpfen. Der Tag, an dem die ersten Käfer gefangen werden, ist der Tag, an dem sich das Fenster für die chemische Bekämpfung öffnet.

3. Chemische Bekämpfung

Ist der Käfer erst einmal im Gang, erreicht ihn kein Spritzmittel mehr. Ziel sind die Käfer, die sich noch nicht eingebohrt haben:

  • 1. Behandlung: Anfang Juli — sobald in den Fallen Käfer gefangen werden
  • 2. Behandlung: 15-20 Tage nach der ersten
  • Gegen die kleine Frühjahrswelle (März-April) kann eine zusätzliche Behandlung erwogen werden, sobald 18-20 °C erreicht sind
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Vor Mittelwahl und Dosierung unbedingt beraten lassen

Auf dieser Seite werden bewusst weder Handelsnamen noch Aufwandmengen genannt. Zugelassene Präparate und Dosierungen unterscheiden sich nach Region, Schädling und Jahr; die Zulassung einzelner Wirkstoffe kann zudem im laufenden Jahr widerrufen werden. Wenden Sie ohne Rücksprache mit Ihrer Provinz- bzw. Kreisdirektion für Landwirtschaft und Forsten oder einem Agraringenieur kein Pflanzenschutzmittel an. Informieren Sie vor jeder Spritzung die Imker in der Umgebung.

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Wiederbefall aus Nachbargärten

Wird nur ein einzelner Garten behandelt, erfolgt ein Wiederbefall aus den Nachbargärten — insbesondere wenn in der Umgebung aufgegebene oder ungepflegte Gärten stehen. Für ein wirksames Ergebnis handeln Sie zeitgleich mit den umliegenden Gartenbesitzern.

Lässt sich zeitgleich mit Haselnussbohrer und Linienbock spritzen?

Nein — die drei Zeitfenster liegen an verschiedenen Stellen:

SchädlingSpritzfenster
Linienbock (Oberea linearis)Mitte Mai
Haselnussbohrer (Curculio nucum)Ende Mai – Anfang Juni
Ungleicher Holzbohrer (Xyleborus dispar)Anfang Juli

Linienbock und Haselnussbohrer lassen sich im Mai-Juni-Fenster gemeinsam planen, der Holzbohrer kommt jedoch rund einen Monat nach diesen beiden und erfordert eine eigene Behandlung. Den vollständigen Saisonablauf finden Sie in unserem Spritzkalender für Haselnuss.

Häufig gestellte Fragen

Im Zweig sind 2 mm große Löcher — ist das der Holzbohrer? Sehr wahrscheinlich ja. Saubere, exakt runde Löcher wie mit einer Nadel gestochen, aus denen Saft austritt, sind das typischste Anzeichen. Findet sich am Locheingang zusätzlich feines weißliches Bohrmehl, ist die Diagnose gesichert. Trocknet dagegen die Triebspitze ein und bleibt am Zweig hängen, suchen Sie den Linienbock.

Wann wird gegen den Holzbohrer gespritzt? Die erste Spritzung erfolgt Anfang Juli, die zweite 15-20 Tage später. Legen Sie den Termin nicht nach Gefühl fest — hängen Sie ab Ende Juni rote geflügelte Leimfallen auf und richten Sie sich nach den Fängen. Erfragen Sie die für Ihre Region gültigen Termine bei Ihrer Provinzdirektion für Landwirtschaft.

Warum tritt er in meinem gesunden Garten auf? Der Holzbohrer befällt in der Regel gestresste Sträucher, bei hohem Populationsdruck besiedelt er jedoch auch gesunde. Stehen in der Umgebung ungepflegte oder aufgegebene Gärten, liegt dort die Befallsquelle. In diesem Fall reichen Kulturmaßnahmen allein nicht aus und müssen durch Fallen und Spritzung ergänzt werden.

Genügen Fallen allein? Bei schwachem Befall können 3-4 Fallen je Dekar zusammen mit dem Herausschneiden und Verbrennen der befallenen Zweige ausreichen. Bei starkem Befall dämpfen Fallen die Population lediglich und müssen durch eine Spritzung ergänzt werden.

Soll ich einen abgestorbenen Strauch entfernen? Ja. Solange ein toter Strauch im Garten bleibt, schließen die Käfer darin ihre Entwicklung ab und breiten sich im Folgejahr auf die Nachbarsträucher aus. Roden und verbrennen Sie ihn — ein einziger stehen gelassener toter Strauch kann die gesamte Bekämpfung zunichtemachen.


Dieser Ratgeber stützt sich auf Daten des Haselnuss-Forschungsinstituts des türkischen Landwirtschafts- und Forstministeriums sowie auf die Bekämpfungsbekanntmachung der Provinzdirektion für Landwirtschaft und Forsten Giresun. Treffen Sie Spritzentscheidungen stets in Absprache mit einem Agraringenieur.

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