Was ist Mehltau?
Mehltau ist eine Pilzkrankheit, die sich auf Haselnussblättern als weiß-grauer, mehliger Belag zeigt. Der traditionelle Mehltauerreger ist Phyllactinia guttata, eine an der Haselnuss weit verbreitete Krankheit. Der Pilz wird über den Wind verbreitet und nimmt bei warmer, feuchter Witterung rasch zu.
Die seit einigen Jahren in der Türkei auftretende Art des neuen Mehltaus (Erysiphe corylacearum) verläuft dagegen deutlich aggressiver und stellt für Haselnusserzeuger eine ernste Bedrohung dar.
Erregerinformation
Traditioneller Mehltau: Phyllactinia guttata — weißer Belag auf der Blattunterseite, in der Regel im Hochsommer aktiv. Neuer Mehltau: Erysiphe corylacearum — dichter weißer Belag auf der Blattoberseite, aggressiver, seit 2013 in der Türkei nachgewiesen.
Bleibt der Mehltau unbehandelt, sinkt die Photosyntheseleistung der Blätter, die Fruchtentwicklung verlangsamt sich, und der Ertragsverlust kann 20-40 % erreichen.
Symptome
Symptome am Blatt
Die deutlichsten Anzeichen der Mehltaukrankheit zeigen sich an den Blättern:
- Weißer mehliger Belag: Weiß-graue Beläge auf der Blattoberfläche, als wäre Mehl darüber gestäubt worden
- Traditioneller Mehltau: Beginnt in der Regel auf der Blattunterseite
- Neuer Mehltau: Auf Ober- und Unterseite, mit dichterem weißem Belag
- Blatteinrollung: Im fortgeschrittenen Stadium rollen sich die Blattränder nach oben ein
- Vergilbung und Austrocknung: Bei starkem Befall vergilben die Blätter und fallen vorzeitig ab
- Braune Flecken: Mit der Reife der Pilzsporen verfärbt sich der weiße Belag braun
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für den Erfolg der Bekämpfung. Kontrollieren Sie die Blätter ab April regelmäßig.
Symptome an der Frucht
Ein starker Mehltaubefall wirkt sich auch auf die Früchte aus:
- Die Fruchtentwicklung verlangsamt sich, die Nüsse bleiben klein
- Auf der Fruchthülle können weiße Flecken auftreten
- Der Anteil tauber Nüsse steigt
- Die Kernqualität sinkt (kleine, schwache Kerne)
- Bei starkem Befall kann es zu vorzeitigem Fruchtfall kommen
Krankheitszyklus
Der Mehltaupilz überwintert als Kleistothezien (geschlossene Sporenbehälter) an Blattresten und in der Baumrinde. Steigen im Frühling die Temperaturen, werden die Sporen freigesetzt und lösen neue Infektionen aus.
Frühling (April-Mai):
- Die überwinterten Sporen werden mit dem Wind verbreitet
- Die ersten Infektionen beginnen an jungen Blättern
- Bei Temperaturen zwischen 15-25 °C beschleunigt sich die Ausbreitung
Sommer (Juni-Juli):
- Die Krankheit erreicht ihren Höhepunkt
- Warme (20-30 °C) und feuchte Witterung (60-80 % relative Luftfeuchte) fördert die Ausbreitung
- Eine nasse Blattoberfläche erleichtert die Infektion
- In ungeschnittenen, dicht stehenden Plantagen ist der Befall stärker
Herbst:
- Der Pilz bildet seine Überwinterungsformen (Kleistothezien) aus
- Mit dem Blattfall gelangen die infizierten Reste auf den Boden
- Damit steht die Infektionsquelle für die neue Saison bereit
Bekämpfungsmethoden
Anbautechnische Maßnahmen
Anbautechnische Maßnahmen, die vor und begleitend zur chemischen Bekämpfung getroffen werden müssen:
- Schnitt: Durch regelmäßigen Schnitt muss die Belüftung des Kroneninneren sichergestellt werden. Dicht stehende Äste schaffen ideale Bedingungen für die Krankheit
- Plantagenhygiene: Die im Herbst abgefallenen, infizierten Blätter sollten aufgesammelt und aus der Plantage entfernt oder verbrannt werden
- Belüftung: Der Abstand zwischen den Sträuchern muss ausreichend sein, die Reihengassen sind frei zu halten
- Ausgewogene Düngung: Übermäßige Stickstoffdüngung erzeugt weiches Blattgewebe und erhöht die Mehltauanfälligkeit
Die Wirkung des Schnitts
In regelmäßig geschnittenen Plantagen tritt Mehltau deutlich seltener auf. Die Luftzirkulation erschwert die Ausbreitung des Pilzes. Der Schnitt ist der erste und wichtigste Schritt in der Mehltaubekämpfung.
Chemische Bekämpfung
Die wichtigsten Wirkstoffgruppen in der Mehltaubekämpfung:
| Wirkstoffgruppe | Beispielwirkstoffe | Wirkungsweise | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Schwefelpräparate | Netzschwefel, Schwefel flüssig | Vorbeugend | Wirtschaftlich, weit verbreitet |
| Triazolgruppe | Tebuconazol, Penconazol | Heilend + vorbeugend | Wirksam, Resistenzrisiko |
| Strobiluringruppe | Trifloxystrobin | Vorbeugend + heilend | Gute Wirksamkeit |
| Boscalid | Boscalid | Heilend | Wirksam gegen den neuen Mehltau |
Anwendung: Blattober- und Blattunterseite müssen gründlich benetzt werden. Gespritzt wird früh am Morgen oder in den Abendstunden.
Spritzzeitpunkt
Der richtige Zeitpunkt entscheidet über den Erfolg der Mehltaubekämpfung:
1. Spritzung (Ende April - Anfang Mai):
- Beim Auftreten der ersten Symptome oder vorbeugend
- Schwefelbasierte Mittel sind die erste Wahl
2. Spritzung (15-20 Tage später):
- Erneute Anwendung, wenn die Krankheit fortbesteht
- Wechseln Sie den Wirkstoff (Rotation), um Resistenzbildung zu vermeiden
3. Spritzung (bei Bedarf, Juni):
- Dritte Anwendung bei starkem Befall
- Bei Verdacht auf den neuen Mehltau systemische Mittel bevorzugen
Den ausführlichen Jahresplan finden Sie in unserem Spritzkalender.
Handeln Sie nicht zu spät
Sobald Mehltausymptome sichtbar werden, muss sofort gespritzt werden. Hat sich die Krankheit erst einmal ausgebreitet, ist sie weitaus schwerer unter Kontrolle zu bringen. Eine vorbeugende Spritzung ist immer wirksamer als eine heilende.
Der neue Mehltau (Erysiphe corylacearum)
Erysiphe corylacearum tritt seit 2013 in der Türkei auf und ist eine invasive Pilzart, die den Haselnussanbau ernsthaft bedroht. Der aus Asien stammende Erreger wurde zunächst in Aserbaidschan und Georgien und anschließend in der Türkei nachgewiesen.
Unterschiede zum traditionellen Mehltau
| Merkmal | Traditioneller Mehltau | Neuer Mehltau |
|---|---|---|
| Erreger | Phyllactinia guttata | Erysiphe corylacearum |
| Befallsstelle | Blattunterseite | Blattober- und Blattunterseite |
| Schweregrad | Mittel | Hoch - sehr hoch |
| Belagdichte | Dünner Belag | Dicker weißer Belag |
| Aktive Phase | Mai-Juli | Juni-Oktober |
| Ertragsverlust | 10-20 % | 20-40 %+ |
Warnung vor dem neuen Mehltau
Der neue Mehltau (Erysiphe corylacearum) ist deutlich aggressiver als der traditionelle Mehltau. Er bildet auf dem Blatt einen dichten weißen Belag, der die Blätter vollständig überziehen kann. Herkömmliche Spritzprogramme können dabei unzureichend bleiben — holen Sie aktuelle Empfehlungen bei Ihrer Landwirtschaftsbehörde ein.
Bekämpfung des neuen Mehltaus
- Frühzeitige Diagnose ist entscheidend — beobachten Sie die Blätter ab Juni genau
- Bevorzugen Sie systemische Mittel (die Triazolgruppe wirkt besser)
- Die Zahl der Spritzungen kann auf 3-4 steigen
- Resistenzmanagement: Verwenden Sie bei jeder Spritzung eine andere Wirkstoffgruppe
- Befolgen Sie unbedingt die Empfehlungen Ihrer Landwirtschaftsbehörde
Fazit
Mehltau ist ein in Haselnussplantagen weit verbreitetes Problem, das ohne Bekämpfung erhebliche Ertragsverluste verursacht. Insbesondere durch die Ausbreitung des neuen Mehltaus sind ein aufmerksameres Vorgehen und ein rechtzeitiges Eingreifen erforderlich.
Zusammenfassend:
- Kontrollieren Sie Ihre Blätter ab April regelmäßig
- Spritzen Sie beim ersten Symptom sofort, warten Sie nicht ab
- Anbautechnische Maßnahmen (Schnitt, Hygiene) unterstützen die chemische Bekämpfung
- Verhindern Sie Resistenzen durch Rotation verschiedener Wirkstoffgruppen
- Wenden Sie sich bei Verdacht auf den neuen Mehltau an Ihre Landwirtschaftsbehörde
Das jährliche Spritzprogramm finden Sie in unserem Spritzkalender. Alle weiteren Arbeitsschritte der Haselnusspflege behandeln wir in eigenen Ratgebern.
📚 Haselnuss-Forschungsinstitut 📚 Provinzdirektion Giresun für Landwirtschaft📚Quellen
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