Was ist die Haselnuss-Napfschildlaus?
Die Haselnuss-Napfschildläuse — Parthenolecanium corni und P. rufulum — sind halbkugelige Schildläuse, die an Zweigen und Trieben festsitzen. Das Schild des Weibchens ist zunächst dunkelbraun und später heller braun.
Die braunen Höcker, die Sie im Garten sehen, bewegen sich nicht, und die meisten Erzeuger halten sie für Rindenwucherungen oder eine Krankheit. Tatsächlich ist jeder einzelne ein lebendes Weibchen, das dem Zweig den Saft entzieht.
Mit dem Fingernagel prüfen
Heben Sie einen braunen Höcker mit dem Fingernagel an. Kommt darunter feuchtes, lebendes Gewebe zum Vorschein, handelt es sich um eine Schildlaus. Ist er trocken und leer, ist es ein totes Schild aus einer früheren Saison, das für die Bekämpfungsentscheidung nicht zählt.
Schadsymptome
Der Schaden verläuft zweistufig, und die zweite Stufe fällt oft stärker auf als die erste.
1. Direkter Schaden: Saftentzug
Larven und adulte Tiere ernähren sich, indem sie Blättern und Trieben Saft entziehen. Die Folge: Der Strauch schwächt sich, das Triebwachstum lässt nach und der Ertrag sinkt.
2. Indirekter Schaden: Rußtau
Beim Saugen scheidet die Schildlaus eine zuckerhaltige Substanz (Honigtau) aus. Dieser klebrige Belag überzieht Blätter und Triebe, darauf entwickelt sich Rußtau, und das Gewebe schwärzt wie mit Ruß bedeckt.
Der Rußtau tötet die Pflanze nicht unmittelbar, doch indem er die Blattoberfläche verschließt, blockiert er die Photosynthese. Die Schildlaus schwächt den Strauch also doppelt: Sie nimmt ihm den Saft und verhindert obendrein, dass das Blatt Licht bekommt.
Wenn Sie Schwärzung sehen, liegt die Ursache darüber
Überzieht eine schwarze, rußartige Schicht die Blätter, ist das Rußtau — und Rußtau tritt nie allein auf. Dahinter steht immer ein saugender Schädling, der Honigtau ausscheidet, und bei Haselnuss ist die häufigste Ursache die Napfschildlaus. Statt die Schwärzung abwaschen zu wollen, bekämpfen Sie die Quelle.
Lebenszyklus
In der Schwarzmeerregion bildet sie eine Generation im Jahr.
| Phase | Monat | Was geschieht |
|---|---|---|
| Überwinterung | November – März | Überwintert als Larve an Zweigen und Trieben |
| Adultstadium | Anfang April | Die überwinterten Larven werden zu adulten Tieren |
| Eiablage | Mai – Juni | Das Weibchen legt die Eier unter seinem Schild ab |
| Eischlupf | Ende Juni | Die Eier schlüpfen, die beweglichen Junglarven verteilen sich — das Bekämpfungsfenster |
| Ansiedlung | Juli – Oktober | Die Junglarven siedeln sich am Trieb an, saugen und scheiden Honigtau aus |
Schadschwelle
Zeigt eine Stichprobe von 30 Trieben im Garten durchschnittlich 5 lebende Schildläuse je Trieb, ist eine Spritzung angezeigt.
Zählen Sie nur lebende Schildläuse — leere Schilde aus früheren Saisons zählen nicht mit.
Bekämpfungsverfahren
1. Kulturmaßnahmen
- Luftiger Schnitt: In dichten, geschlossenen Sträuchern bauen sich Schildlauspopulationen schneller auf. Siehe unseren Schnittratgeber
- Übermäßige Stickstoffgaben vermeiden: Starke Stickstoffdüngung erzeugt weiche, saftige Triebe — ideale Bedingungen für saugende Schädlinge
- Befallene Zweige entfernen: stark verkrustete Zweige können herausgeschnitten werden
2. Chemische Bekämpfung
Der Zeitpunkt beruht auf einer einzigen Tatsache: Das Schild ist ein Panzer.
Solange das adulte Weibchen unter seinem dicken Schild sitzt, erreicht es kein Spritzmittel. Angreifbar ist es nur in der kurzen Zeit, in der die frisch geschlüpften Junglarven auf dem Zweig unterwegs sind und noch kein eigenes Schild gebildet haben.
- Zeitpunkt: Ende Juni — kurz vor Abschluss des Eischlupfs
- Warum nicht früher oder später: Zu früh gespritzt liegen die Eier noch unter dem Schild und bleiben unberührt; zu spät haben die Junglarven bereits eigene Schilde gebildet
- Benetzung: Da der Schädling an Zweigen und Trieben sitzt, muss das Mittel das Holz gut erreichen
Vor Mittelwahl und Dosierung unbedingt beraten lassen
Auf dieser Seite werden bewusst weder Handelsnamen noch Aufwandmengen genannt. Zugelassene Präparate und Dosierungen unterscheiden sich nach Region, Schädling und Jahr. Wenden Sie ohne Rücksprache mit Ihrer Provinz- bzw. Kreisdirektion für Landwirtschaft und Forsten oder einem Agraringenieur kein Pflanzenschutzmittel an. Informieren Sie vor jeder Spritzung die Imker in der Umgebung.
Häufig gestellte Fragen
Wann wird gegen die Napfschildlaus gespritzt? Ende Juni, kurz vor Abschluss des Eischlupfs. Außerhalb dieses Fensters ist die Spritzung weitgehend vergeblich: Die adulten Tiere sind unter ihren Schilden geschützt.
Was sind die braunen Höcker an meinen Zweigen? Halbkugelige, am Zweig festsitzende Höcker von dunklem bis hellem Braun sind Schildläuse. Kommt beim Anheben mit dem Fingernagel feuchtes, lebendes Gewebe zum Vorschein, ist der Befall aktiv.
Meine Blätter sind rußartig geschwärzt — woran liegt das? Das ist Rußtau, ein Pilz, der auf dem von der Schildlaus ausgeschiedenen Honigtau wächst. Der Rußtau ist ein Symptom, nicht die Ursache. Um die Schwärzung loszuwerden, muss die Schildlaus bekämpft werden.
Kann ich das mit der Spritzung gegen den Haselnussbohrer verbinden? Die Zeitfenster passen nicht zusammen: Der Haselnussbohrer liegt Ende Mai bis Anfang Juni, die Schildlaus Ende Juni. Zudem sind Schildläuse gepanzerte Schädlinge, gegen die nicht jedes Insektizid wirkt. Prüfen Sie jede Kombination mit einem Agraringenieur. Den vollständigen Saisonablauf finden Sie in unserem Spritzkalender.
Was tue ich, wenn ich unter der Schwelle liege? Luftiger Schnitt, ausgewogene Stickstoffdüngung und das Entfernen befallener Zweige genügen in der Regel. Die Schildlauspopulation schwankt von Jahr zu Jahr, wiederholen Sie die Zählung an 30 Trieben deshalb jede Saison.
Dieser Ratgeber stützt sich auf Daten des Haselnuss-Forschungsinstituts des türkischen Landwirtschafts- und Forstministeriums. Treffen Sie Spritzentscheidungen stets in Absprache mit einem Agraringenieur.
📚Quellen
- Türkisches Landwirtschafts- und Forstministerium - Haselnuss-Forschungsinstitut, Haselnussschädlinge
- Türkisches Landwirtschafts- und Forstministerium - TAGEM, Standard-Prüfmethoden für Pflanzenschutzmittel gegen Haselnussschädlinge
- Bild: Parthenolecanium corni — Slimguy, CC BY 4.0 (verkleinert, in WebP konvertiert)
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