Was ist Astkrebs?
Der Astkrebs ist eine schwere Krankheit, die durch den Pilz Nectria galligena Bres. (aktuelle taxonomische Bezeichnung: Neonectria ditissima) verursacht wird und chronische Wunden an Stamm und Ästen von Haselnussbäumen bildet. Die Krankheit wurde zunächst bei Apfel und Birne beschrieben und später auch als bedeutender Schaden an Haselnuss erkannt.
Die Infektion dringt durch Wunden ein, die durch Frost, Hagel oder Schnittmaßnahmen entstanden sind, und entwickelt sich innerhalb von 2-3 Jahren zu typischen Krebswunden. Die Krebswunden vergrößern sich jährlich, umschließen das Leitgewebe des Astes und führen schließlich zum Vertrocknen und Absterben des Astes. Ohne Behandlung kann die Krankheit die Baumanzahl in der Plantage erheblich reduzieren.
Erregerinformation
Wissenschaftlicher Name: Nectria galligena Bres. (Syn. Neonectria ditissima) Familie: Nectriaceae Krankheitstyp: Chronische Pilzkrankheit (Krebs) Infektionsdauer: Typische Symptome treten innerhalb von 2-3 Jahren auf
Symptome
Offener Krebs
Offene Krebse sind die auffälligste und häufigste Form der Krankheit. Es handelt sich um große Wunden mit ineinander verschachtelten elliptischen Kallusringen an der Rinde von Stamm und Ästen, deren Zentrum eingesunken ist. Der Baum versucht jedes Jahr, die Wunde durch neue Kallusbildung am Wundrand zu schließen, doch der Pilz tötet auch dieses Gewebe ab, wodurch konzentrische Ringe in Form einer Zielscheibe entstehen.
- Größe: Krebswunden können bis zu 20 cm erreichen
- Lage: Stamm, Hauptäste und Basis von Seitenästen
- Erscheinung: Eingesunkene Mitte, erhabene Ränder, ineinander verschachtelte Ringe
- Rinde: Rissige, trockene und abgelöste Rindenstruktur
Geschlossener Krebs
Geschlossene Krebse treten in der Regel an jungen Ästen auf. Wenn die Kallusbildungsgeschwindigkeit des Astes die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Pilzes vorübergehend übersteigt, scheint sich die Wunde zu schließen. Dieser Zustand ist jedoch vorübergehend; mit der Zeit entwickeln sich auch geschlossene Krebse zu offenen Krebsen.
Perithezien (Sporenstrukturen)
An den Rändern der Krebswunden, unter abgelöster toter Rinde oder in Rindenrissen finden sich die Fortpflanzungsstrukturen des Pilzes, die Perithezien. Diese Strukturen sind:
- Von leuchtend roter Farbe
- Kugelförmig oder birnenförmig
- Einzeln verstreut oder in Gruppen angeordnet
- 1-2 mm im Durchmesser, mit bloßem Auge sichtbar
Astabsterben
Wenn die Krebswunde den Ast vollständig umschließt (umgürtelt), können Wasser und Nährstoffe nicht mehr zum oberen Teil des Astes transportiert werden. Diese Äste:
- Können im Frühling keine Blätter austreiben oder die Blätter bleiben blass
- Welken im Sommer plötzlich und vertrocknen
- Die Früchte und Blätter darauf verbräunen und fallen nicht ab (bleiben hängen)
Krankheitszyklus
Der Astkrebspilz hat einen mehrjährigen Infektionszyklus. Die Entwicklungsphasen der Krankheit sind wie folgt:
1. Jahr — Infektion:
- Frost-, Hagel- oder Schnittwunden bilden Eintrittspforten für den Pilz
- Ascosporen (sexuelle Sporen) werden durch Wind und Regen verbreitet und erreichen offene Wunden
- Der Pilz beginnt sich unter der Rinde zu entwickeln, äußerlich sind keine Symptome sichtbar
2. Jahr — Krebsentwicklung:
- Im Infektionsbereich beginnt die Rinde einzusinken und sich zu verfärben
- Erste Kallusringe bilden sich
- Am Wundrand erscheinen cremeweiße Sporodochien (asexuelle Sporenstrukturen)
- Konidien (asexuelle Sporen) werden durch Regenspritzer auf benachbarte Äste übertragen
3. Jahr und danach — Reifer Krebs:
- Die typische offene Krebswunde ist vollständig ausgebildet
- Am Wundrand entwickeln sich leuchtend rote Perithezien
- Die aus den Perithezien freigesetzten Ascosporen werden mit dem Wind über weite Entfernungen transportiert
- Der Krebs wächst jedes Jahr weiter, die Wachstumsrate ist im Frühling am höchsten
Verborgene Gefahr
Nach der Infektion dauert es 2-3 Jahre, bis Symptome sichtbar werden. Wenn Sie in Ihrer Plantage zum ersten Mal Astkrebs bemerken, ist der Erreger daher sehr wahrscheinlich bereits seit Jahren vorhanden. Regelmäßige Plantagenkontrollen sind von entscheidender Bedeutung.
Risikofaktoren
Höhenlage
Zwischen Astkrebs und Höhenlage besteht ein direkter Zusammenhang. Die Krankheit tritt in der Türkei in der Regel ab 450 Meter Höhe auf, wurde jedoch in einigen Regionen auch bei 250-300 Meter Höhe nachgewiesen. Mit zunehmender Höhe:
- Treten Frostereignisse häufiger und stärker auf
- Bilden Frostwunden Eintrittspforten für den Pilz
- Nimmt die Krankheitsintensität parallel zur Höhenlage zu
Frost- und Hagelschäden
Frost und Hagel erzeugen Mikrorisse und Wunden in der Astrinde. Diese Wunden sind die wichtigsten Eintrittspunkte für die Pilzinfektion. Besonders kritisch sind:
- Spätfröste (April-Mai): Treffen neu austreibende Ästchen
- Hagel: Verursacht zahlreiche Wunden an der Rinde und bereitet den Boden für Masseninfektionen
- Frühe Herbstfröste: Schädigen noch nicht verholztes Gewebe
Feuchtigkeit und Temperatur
Für die Sporenverbreitung des Pilzes sind hohe Luftfeuchtigkeit und Niederschlag erforderlich. Kühle, feuchte Klimabedingungen beschleunigen die Ausbreitung der Krankheit. Deshalb ist die Krankheit in den Hochlagen der Schwarzmeerregion weit verbreitet.
Anfällige Sorten
Alle Haselnusssorten können an Astkrebs erkranken, jedoch sind einige Sorten deutlich anfälliger:
| Sorte | Anfälligkeit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Fosa | Sehr anfällig | Anbau in Höhenlagen sollte vermieden werden |
| Mincane | Sehr anfällig | Anfällig für Frostschäden |
| Cakildak | Relativ widerstandsfähig | Kälteresistente Sorte |
| Tombul | Mittel | In der Region Giresun verbreitet |
| Palaz | Mittel | In der Region Ordu verbreitet |
Achtung bei anfälligen Sorten
Die Sorten Fosa und Mincane sind besonders empfindlich gegenüber Astkrebs. In Plantagen über 300 Meter Höhe sollte auf den Anbau dieser Sorten verzichtet und stattdessen frostresistentere Sorten gewählt werden.
Bekämpfungsmethoden
Für den Astkrebs gibt es keine wirksame chemische Behandlung. Die Bekämpfung erfolgt hauptsächlich durch anbautechnische Maßnahmen und vorbeugende Behandlungen.
Bekämpfung durch Schnitt
Das Entfernen krebsbefallener Äste ist der wichtigste Schritt im Krankheitsmanagement:
- Schneiden Sie krebsbefallene Äste mindestens 15-20 cm unterhalb der Krebswunde ab
- Entfernen Sie das Schnittgut aus der Plantage und verbrennen Sie es — lassen Sie es niemals in der Plantage liegen
- Desinfizieren Sie die Schnittgeräte nach jedem Schnitt mit 10%iger Natriumhypochloritlösung oder 70%igem Alkohol
- Führen Sie den Schnitt bei trockenem Wetter durch; Schnitt an Regentagen fördert die Sporenverbreitung
- Verschließen Sie große Schnittwunden mit Baumwachs
Detaillierte Schnitttechniken finden Sie in unserem Haselnuss-Schnittratgeber.
Schnittzeitpunkt
Der optimale Zeitpunkt für den Astkrebsschnitt ist die Phase Ende Winter - Frühlingsbeginn (Februar-März). Bei Schnitt in trockenem und kaltem Wetter ist das Risiko der Sporenverbreitung am geringsten. Auch nach der Ernte (August-September) kann geschnitten werden; in dieser Phase sollte jedoch unmittelbar danach eine Schutzbehandlung erfolgen.
Chemische Bekämpfung (Bordeaux-Brühe)
Obwohl es keine wirksame chemische Behandlung gibt, ist die Anwendung von 1%iger Bordeaux-Brühe nützlich, um das Eindringen des Pilzes durch Wundstellen zu verhindern. Der Spritzkalender ist wie folgt:
1. Anwendung — Nach der Ernte (Ende August - Anfang September):
- Schützt die während der Ernte entstandenen Wunden
- Wird unmittelbar nach dem Schnitt angewandt, sofern geschnitten wurde
2. Anwendung — Blattfall (November):
- Wird angewandt, wenn 3/4 der Blätter gefallen sind
- Verhindert Herbstinfektionen
3. Anwendung — Frühling (März):
- Wird angewandt, wenn die Blattknospen zu treiben beginnen
- Bietet Schutz gegen Frühlingsinfektionen
Das vollständige jährliche Spritzprogramm finden Sie in unserem Spritzkalender.
Anbautechnische Maßnahmen
- Sortenwahl: Bevorzugen Sie in Höhenlagen frostresistente Sorten
- Plantagenhygiene: Sammeln Sie infizierte Äste, Rinde und Rückstände regelmäßig ein und verbrennen Sie diese
- Belüftung: Reduzieren Sie die Feuchtigkeitsansammlung durch regelmäßigen Kronenschnitt
- Frostschutz: Das Kalken des Stammes junger Bäume mit Kalkmilch kann Frostrisse reduzieren
- Ausgewogene Düngung: Übermäßige Stickstoffdüngung erzeugt weiches Gewebe und erhöht die Frostempfindlichkeit
Anfällige und widerstandsfähige Sorten
Die Widerstandsfähigkeit der Haselnusssorten gegenüber Astkrebs hängt weitgehend mit ihrer Frostresistenz zusammen. Sorten, die anfälliger für Frostschäden sind, sind auch anfälliger für Astkrebs:
| Sorte | Astkrebsanfälligkeit | Frostresistenz | Hauptanbauregion |
|---|---|---|---|
| Fosa | Hoch | Niedrig | Giresun, Trabzon |
| Mincane | Hoch | Niedrig | Trabzon |
| Tombul | Mittel | Mittel | Giresun |
| Sivri | Mittel | Mittel | Alle Regionen |
| Palaz | Mittel | Mittel | Ordu |
| Cakildak | Niedrig | Hoch | Alle Regionen |
Empfehlung zur Sortenwahl
In Plantagen über 300 Meter Höhe sollten kälteresistente Sorten wie Cakildak bevorzugt werden. Der Anbau der Sorten Fosa und Mincane in Höhenlagen erhöht das Astkrebsrisiko erheblich.
Fazit
Der Haselnuss-Astkrebs ist eine langwierige Krankheit, die besonders in Hochlagenplantagen zu erheblichen Ertragsverlusten und Baumtoden führen kann. Aufgrund der 2-3-jährigen verborgenen Entwicklungsphase der Krankheit ist eine Frühdiagnose schwierig, weshalb vorbeugende Maßnahmen von großer Bedeutung sind.
Zusammenfassend:
- Kontrollieren Sie Ihre Plantage regelmäßig; versuchen Sie, Krebswunden frühzeitig zu erkennen
- Schneiden Sie krebsbefallene Äste sofort ab und entfernen Sie sie aus der Plantage zum Verbrennen
- Desinfizieren Sie Ihre Schnittgeräte nach jedem Schnitt
- Wenden Sie nach der Ernte, bei Blattfall und im Frühling 1%ige Bordeaux-Brühe an
- Bevorzugen Sie in Höhenlagen frostresistente Sorten
- Vermeiden Sie anfällige Sorten wie Fosa und Mincane
Für alle Aspekte der Haselnusspflege lesen Sie unseren Haselnuss-Ratgeber, für Krankheits- und Schädlingsbekämpfung unseren Spritzkalender.
📚 Haselnuss-Forschungsinstitut 📚 Agrowy - Haselnuss-Astkrebs 📚 Agrarstatistik 📚 TABİDER



