Was ist die Haselnuss-Mosaikkrankheit?
Die Haselnuss-Mosaikkrankheit wird durch das Apple mosaic virus (ApMV) verursacht und ist die bedeutendste Viruserkrankung im Haselnussanbau. ApMV ist ein pflanzliches Virus der Gattung Ilarvirus, das zur Familie Bromoviridae gehört. Das Virus besteht aus isometrischen Partikeln mit einem Durchmesser von 25-29 nm und enthält drei verschiedene RNA-Segmente.
Die Türkei ist mit einem Anteil von etwa 69% an der Weltproduktion der größte Haselnussproduzent. Daher ist die Mosaikkrankheit für das Land von großer wirtschaftlicher Bedeutung. In Untersuchungen in der westlichen Schwarzmeerregion wurde eine durchschnittliche Infektionsrate von 13,6% ermittelt.
Es gibt keine Heilung
Da die Haselnuss-Mosaikkrankheit eine virale Erkrankung ist, kann sie an infizierten Pflanzen durch kein chemisches Pflanzenschutzmittel und keine biologische Bekämpfungsmethode geheilt werden. Die Grundlage der Krankheitsbekämpfung beruht ausschließlich auf vorbeugenden Maßnahmen.
Symptome
Die Symptome der Mosaikkrankheit treten besonders im Frühling (April-Mai) am deutlichsten auf, wenn die Temperaturen mild sind. Mit zunehmender Sommerhitze sinkt die Viruskonzentration, und die Symptome können vorübergehend maskiert werden.
Typische Blattsymptome
- Chlorotische Ringe: Gelb-grüne ringförmige Flecken auf der Blattoberfläche
- Eichblattmuster (oak-leaf pattern): Gelb-weiße Bereiche in Form eines Eichblatts auf dem Blatt — das charakteristischste Symptom der Krankheit
- Bänderung (vein banding): Gelbe Streifen und Bänder entlang der Blattadern
- Mosaikartige Fleckung: Unregelmäßig verteilte gelbe, hellgrüne und dunkelgrüne Bereiche
- Strichmuster: Feine gelbe Linien und Striche auf der Blattoberfläche
- Allgemeine Vergilbung: Bei schwerem Befall Vergilbung des gesamten Blattes
Eigenschaften der Symptome
Die Symptome zeigen an der Pflanze eine unregelmäßige Verteilung. Einige Triebe desselben Strauches können Symptome zeigen, andere nicht. Manche Haselnusssorten können infiziert sein, ohne jegliche Symptome zu zeigen (asymptomatische Träger); dies führt dazu, dass sich die Krankheit unbemerkt ausbreitet.
Vorsicht bei der Diagnose
Mosaiksymptome können manchmal mit Herbizidschäden (Unkrautvernichtungsmittel) verwechselt werden. Herbizidschäden treten jedoch in der Regel an der gesamten Pflanze auf, Mosaik dagegen an bestimmten Ästen und Blättern. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihre zuständige Landwirtschaftsbehörde und lassen Sie einen Labortest (ELISA oder RT-PCR) durchführen.
Auswirkungen auf den Ertrag
Die Mosaikkrankheit beeinträchtigt den Haselnussertrag erheblich:
| Auswirkungsbereich | Beschreibung |
|---|---|
| Ertragsverlust | 20-42% Ernteausfall bei infizierten Bäumen |
| Fruchtzahl | Die Anzahl der gebildeten Früchte (Nüsse) ist deutlich reduziert |
| Vegetatives Wachstum | Bei jungen infizierten Pflanzen wird eine Wachstumsverzögerung beobachtet |
| Fruchtqualität | Es wird kein signifikanter Unterschied in Fruchtgröße und -qualität beobachtet |
| Wirtschaftlicher Schaden | Es wird geschätzt, dass landesweit jährlich Verluste in Millionenhöhe (TL) entstehen |
In einer detaillierten Untersuchung in der westlichen Schwarzmeerregion variierten die Ertragsverluste je nach Provinz: In Düzce 35,6%, in Zonguldak 28,3% und in Bartin 19,7% wurden Verluste festgestellt. Der durchschnittliche Ertragsverlust wurde mit 28,2% berechnet.
Forschungsdaten
In einer zwischen 2005 und 2008 in der westlichen Schwarzmeerregion durchgeführten Untersuchung wurden insgesamt 1.465 Proben aus 213 Haselnussplantagen untersucht, wobei in 84 Plantagen Krankheitssymptome festgestellt wurden. Die durchschnittliche Infektionsrate wurde mit 13,6% bestimmt. In einer separaten Studie in Giresun wurde eine Infektionsrate von 7,86% ermittelt.
Ausbreitungswege
Das Mosaikvirus wird im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzenviren nicht durch Insekten übertragen. Die Ausbreitungswege sind begrenzt, aber effektiv:
1. Vegetative Vermehrung (Hauptausbreitungsweg)
Der wichtigste Faktor bei der Ausbreitung der Krankheit ist vegetatives Vermehrungsmaterial von infizierten Pflanzen. Durch Absenker, Veredelung oder Stecklinge vermehrte neue Setzlinge tragen das Virus der Mutterpflanze weiter. Alle von einem Strauch genommenen Zweige können infiziert sein.
2. Wurzelverwachsung (Root Grafting)
Bei dicht gepflanzten Haselnusssträuchern können die Wurzeln unter der Erde zusammenwachsen (Wurzelverwachsung). Durch diese natürliche Verwachsung kann das Virus auf eine gesunde Pflanze übergehen. Besonders bei engem Pflanzabstand erhöht sich dieses Risiko.
3. Mechanische Übertragung
Gartenscheren, Sägen und andere Gartengeräte können das Virus von einer infizierten zu einer gesunden Pflanze übertragen. Dieser Weg ist zwar nicht so effektiv wie die vegetative Vermehrung, stellt aber insbesondere in Plantagen mit engem Pflanzabstand ein wichtiges Risiko dar.
Keine Insektenübertragung
Das Haselnuss-Mosaikvirus wird nicht durch Blattläuse, Thripse oder andere Insekten übertragen. Diese Eigenschaft begrenzt zwar die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus, erschwert aber auch die Bekämpfung — denn es kann nicht durch Insektizide verhindert werden.
Warum gibt es keine Heilung?
Viren nutzen nach dem Eindringen in lebende Pflanzenzellen den eigenen genetischen Mechanismus der Zelle zur Vermehrung. Deshalb:
- Chemische Pflanzenschutzmittel sind wirkungslos: Fungizide (Pilzmittel) oder Bakterizide wirken nicht gegen Viren. Ein antivirales Pflanzenschutzmittel wurde bisher nicht entwickelt.
- Das Virus befindet sich in der Zelle: Das Virus befindet sich in den Leitgeweben (Phloem) und Blattzellen der Pflanze. Kein von außen aufgebrachtes Mittel kann die Viruspartikel zerstören.
- Systemische Infektion: Sobald das Virus in die Pflanze eingedrungen ist, breitet es sich in allen Pflanzengeweben aus. Das Abschneiden infizierter Äste eliminiert das Virus nicht aus der Pflanze.
Die einzige Ausnahme ist die Produktion virusfreier Pflanzen in Baumschulen durch Meristemkultur und Thermotherapie. Bei dieser Methode wird das sehr kleine Meristemgewebe (0,2-0,5 mm) an der Triebspitze entnommen und unter Laborbedingungen eine neue Pflanze gezüchtet. Dies ist jedoch keine individuelle Baumbehandlung, sondern eine Methode zur Erzeugung sauberer Setzlinge.
Schutzmaßnahmen
Bei der Mosaikkrankheit basiert die Bekämpfung auf Vorbeugung. Die folgenden Maßnahmen sind für den Schutz Ihrer Plantage von entscheidender Bedeutung:
Verwendung virusfreier Setzlinge
Verwenden Sie bei der Neuanlage einer Plantage oder bei Nachpflanzungen in bestehenden Plantagen zertifizierte, virusgetestete Setzlinge. Zertifizierte Setzlinge sind solche, die von der zuständigen Zertifizierungsbehörde geprüft und durch ELISA-Tests als virusfrei nachgewiesen wurden.
Entfernung infizierter Pflanzen
Kontrollieren Sie Ihre Plantage in jeder Vegetationsperiode. Markieren Sie Sträucher mit Mosaiksymptomen und verwenden Sie sie nicht als Vermehrungsmaterial. Entfernen Sie stark infizierte Pflanzen aus der Plantage und verbrennen oder vergraben Sie sie.
Desinfektion von Geräten und Werkzeugen
Desinfizieren Sie Ihre Geräte beim Wechsel von Baum zu Baum während Schnitt- und Pflegearbeiten:
| Desinfektionsmittel | Konzentration | Anwendung |
|---|---|---|
| Natriumhypochlorit (Bleichmittel) | 3% | Geräte 1-2 Minuten eintauchen |
| Natriumhydroxid + Formalin | 2% + 2% | In die Mischung eintauchen, kein Spülen nötig |
| Ethylalkohol | 70% | Aufsprühen oder mit Tuch abwischen |
Pflanzabstand
Lassen Sie zwischen den Haselnusssträuchern ausreichend Abstand. Enger Pflanzabstand erhöht das Risiko von Wurzelverwachsungen und schafft damit die Grundlage für eine natürliche Virusausbreitung. Empfohlener Pflanzabstand: 4x4 m oder 5x5 m.
Unkrautkontrolle
Einige Unkräuter können als Zwischenwirt für ApMV dienen. Entfernen Sie regelmäßig Unkräuter in und um die Plantage; insbesondere Beerenpflanzen und wilde Rosengewächse stellen ein Risiko dar.
Vermehrungsmaterial von infizierten Sträuchern ist verboten
Nehmen Sie keinesfalls Absenker, Stecklinge oder Veredelungsmaterial von Sträuchern, die Mosaiksymptome zeigen oder bei denen eine Infektion bekannt ist. Ein einziger infizierter Setzling kann das Virus in Ihre gesamte neue Plantage einschleppen.
Hinweise für Baumschulen
Zusätzliche wichtige Punkte für Baumschulbetriebe und Setzlinge produzierende Landwirte:
Kontrolle der Mutterpflanzen (Unterlagen)
- Kontrollieren Sie die Mutterstöcke, von denen Vermehrungsmaterial entnommen wird, jedes Jahr im Frühling
- Markieren Sie Stöcke mit gelben Ringen, Eichblattmuster oder Bänderung und schließen Sie sie von der Vermehrung aus
- Bestätigen Sie verdächtige Pflanzen durch einen ELISA-Test
Baumschulhygiene
- Desinfizieren Sie alle Geräte zwischen jedem Einsatz
- Boden oder Behälter, die mit infizierten Pflanzen in Kontakt waren, müssen vor der Wiederverwendung sterilisiert werden
- Entfernen Sie unbedingt Unkraut im Baumschulbereich
Virustest und Zertifizierung
- Vor dem Verkauf sollte durch ELISA- oder RT-PCR-Tests nachgewiesen werden, dass die Setzlinge virusfrei sind
- Nutzen Sie die Zertifizierungsprogramme des Landwirtschaftsministeriums
- Beziehen Sie Vermehrungsmaterial von zertifizierten Baumschulen
Viruselimination durch Thermotherapie
Dies ist eine von Forschungseinrichtungen angewandte Methode. Infizierte Pflanzen werden 2-4 Wochen bei 30-38°C gehalten, anschließend wird eine Meristementnahme durchgeführt. Auf diese Weise kann virusfreies Pflanzenmaterial gewonnen werden. Dieses Verfahren erfordert jedoch spezielle Laborbedingungen und ist für einzelne Landwirte nicht praktikabel.
Staatliche Förderung
In der Türkei gibt es staatliche Förderungen für die Verwendung zertifizierter Setzlinge. Im Rahmen der Förderung für den inländischen Einsatz zertifizierter Setzlinge wird für Setzlinge aus zugelassenen Baumschulen eine finanzielle Unterstützung gewährt. Wenden Sie sich für detaillierte Informationen an Ihre zuständige Landwirtschaftsbehörde.
Fazit
Die Haselnuss-Mosaikkrankheit (ApMV) stellt als unheilbare, aber vermeidbare Viruserkrankung eine ernsthafte Bedrohung für den Haselnussanbau dar. Dieses Virus, das in türkischen Haselnussplantagen mit einer durchschnittlichen Rate von 10-15% auftritt, kann bei infizierten Bäumen 20-42% Ertragsverlust verursachen.
Zusammenfassend:
- Verwenden Sie bei der Neuanlage einer Plantage unbedingt zertifizierte, virusfreie Setzlinge
- Kontrollieren Sie Ihre Plantage jeden Frühling sorgfältig und markieren Sie befallene Sträucher
- Nehmen Sie niemals Vermehrungsmaterial von infizierten Pflanzen
- Desinfizieren Sie Ihre Schnittgeräte beim Wechsel von Baum zu Baum
- Reduzieren Sie das Risiko von Wurzelverwachsungen durch ausreichenden Pflanzabstand
- Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihre Landwirtschaftsbehörde und lassen Sie einen Labortest durchführen
Für die allgemeine Pflege Ihrer Haselnussplantage lesen Sie unseren Haselnuss-Ratgeber, für Informationen über weitere Krankheiten unseren Mehltau-Ratgeber.
📚 Haselnuss-Forschungsinstitut 📚 Akbas & Degirmenci (2009) - ApMV-Forschung 📚 Agrowy - Haselnuss-Mosaikkrankheit



