Was ist Wurzelfäule?
Die Wurzelfäule ist eine bodenbürtige Pilzkrankheit, die das Wurzelsystem von Haselnussbäumen zerstört und unbehandelt zum vollständigen Absterben des Baumes führt. Bei der Haselnuss treten zwei verschiedene Wurzelfäuleerreger häufig auf:
- Armillaria-Wurzelfäule (Armillaria mellea) — umgangssprachlich als “Hallimasch” bekannter Hutpilz
- Rosellinia-Wurzelfäule (Rosellinia necatrix) — auch als “Weiße Wurzelfäule” bezeichnet
Beide Krankheiten zerstören die Kambiumschicht zwischen Rinde und Holz der Wurzeln und blockieren damit die Wasser- und Nährstoffaufnahme des Baumes. Obwohl die oberirdischen Symptome beider Krankheiten ähnlich sind, ist es für die richtige Bekämpfungsstrategie wichtig, sie voneinander zu unterscheiden.
Kritische Warnung
Wurzelfäulekrankheiten sind im Gegensatz zu Blatt- oder Astkrankheiten nur sehr schwer rückgängig zu machen. Wenn die Symptome oberirdisch sichtbar werden, ist das Wurzelsystem in der Regel bereits erheblich geschädigt. Daher sind Frühdiagnose und vorbeugende Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.
Wurzelfäulepilze können im Boden, in infizierten Wurzelresten jahrelang — Armillaria-Arten bis zu 100 Jahre — lebensfähig bleiben. Dieser Umstand erschwert die Krankheitsbekämpfung und ist der wichtigste Faktor, der bei der Neuanlage einer Plantage beachtet werden muss.
Armillaria-Wurzelfäule (Armillaria mellea)
Die Armillaria-Wurzelfäule ist eine weit verbreitete bodenbürtige Pilzkrankheit, die neben der Haselnuss auch viele Obst- und Waldbäume befällt. Der Erreger ist Armillaria mellea, umgangssprachlich als Hallimasch bekannt.
Symptome und Krankheitsverlauf
Eine Armillaria-Infektion verläuft in der Regel langsam, und die Symptome treten über Jahre hinweg stufenweise auf:
1. Jahr: Verlangsamtes Triebwachstum, leichte Verkleinerung der Blätter. In diesem Stadium wird die Krankheit in der Regel nicht bemerkt.
2. Jahr: Es beginnt eine deutliche Vergilbung und vorzeitiger Blattfall. Eine Seite des Baumes kann stärker betroffen sein — dies weist auf die Seite hin, an der sich die Wurzelinfektion befindet.
3. Jahr: Von den Trieb- und Astspitzen beginnt ein Zurücksterben. Der Fruchtertrag sinkt merklich.
4. Jahr: Der Baum stirbt vollständig ab.
Schneller Tod
Bei schweren Infektionen kann der Baum auch innerhalb von 1-2 Jahren absterben. Besonders bei gestressten Bäumen (Trockenheit, Staunässe, verletzte Wurzeln) schreitet die Krankheit deutlich schneller voran.
Wurzel- und Wurzelhalssymptome
Die sichere Diagnose der Krankheit erfolgt durch Untersuchung der Wurzeln:
- Wenn die Rinde an den Wurzeln abgeschält wird, zeigt sich zwischen Rinde und Holz eine weiße, papierartige Myzelschicht (fächerförmig)
- Zu Beginn der Krankheit ist das Holz hellbraun, im fortgeschrittenen Stadium wird es gelblich und schwammig
- An den Wurzeln und im Boden finden sich schwarze, schnürsenkelartige Rhizomorphe (dicke Myzelfäden) — dies ist das markanteste Erkennungsmerkmal von Armillaria
- Die Rhizomorphe können jährlich bis zu 1 Meter wachsen und die Wurzeln benachbarter Bäume erreichen
Hallimasch (diagnostisches Merkmal)
Nach den ersten Herbstregen bilden sich am Wurzelhals befallener Bäume honigfarbene Pilze. Diese Pilze:
- Haben Hüte mit einem Durchmesser von 5-15 cm
- Sind auf der Oberseite gelblich-braun, auf der Unterseite weiß und lamellenförmig
- Besitzen am Stiel einen weißen Ring
- Erscheinen in Büscheln
- Werden von unten nach oben dunkler bis schwarz
Das Auftreten dieser Pilze ist ein sicherer Beweis für eine Armillaria-Infektion in der Plantage. Die Pilze und die befallenen Wurzelstücke, aus denen sie wachsen, sollten sofort gesammelt und vernichtet werden.
Rosellinia-Wurzelfäule (Rosellinia necatrix)
Der Erreger dieser auch als Weiße Wurzelfäule bekannten Krankheit ist der Pilz Rosellinia necatrix. Neben der Haselnuss befällt er auch Olive, Walnuss, Apfel, Avocado und viele andere Obstbäume.
Symptome
Die oberirdischen Symptome einer Rosellinia-Infektion ähneln denen von Armillaria:
- Erstes Symptom ist die Blattvergilbung — sie kann auf einer Seite des Baumes oder am gesamten Baum auftreten
- Verkleinerung der Blätter und vorzeitiger Blattfall
- Zurücksterben von den Astspitzen
- Der Ertrag sinkt, die Nüsse fallen unreif vorzeitig ab
- Im fortgeschrittenen Stadium stirbt der Baum vollständig ab
Wurzelsymptome
Die Wurzelsymptome von Rosellinia unterscheiden sich von denen der Armillaria:
- Feinwurzeln werden schwarz und faulen
- An Starkwurzeln und am Wurzelhals bildet sich eine zunächst weiße, dann grau-schwarze Myzelschicht
- Die Myzelfäden zeigen an den Septierungspunkten (Trennwänden) birnenförmige Anschwellungen — dies ist das mikroskopische Diagnosemerkmal von Rosellinia
- Unter Stressbedingungen bilden sich 3-4 mm große braun-schwarze Sklerotien
- Der Pilz zerstört die Kambiumschicht, kann aber nicht in das Kernholz eindringen
Unterschiede zu Armillaria
Bei einer Rosellinia-Infektion bilden sich an der Baumwurzel keine honigfarbenen Pilzhüte und es finden sich keine schwarzen Rhizomorphe. Stattdessen umhüllt ein weißes, watteartiges Myzelgeflecht die Wurzeln. Dieser Unterschied ist der einfachste Weg, beide Krankheiten im Feld zu unterscheiden.
Ausbreitungswege
Die Ausbreitungsmechanismen von Rosellinia:
- Bewässerungswasser sowie Hochwasser transportieren infizierte Wurzelstücke
- Myzelstücke können im Wasser wochenlang lebensfähig bleiben
- Aus infizierten Wurzelresten im Boden entstehen neue Infektionen
- Im Frühling und Herbst beschleunigt sich die Ausbreitung bei ausreichendem Niederschlag und günstigen Temperaturen
- Die Krankheit ist in schweren, staunassen Böden mit schlechter Drainage häufiger
Unterscheidung beider Krankheiten
Für die richtige Bekämpfungsstrategie ist es notwendig, beide Krankheiten voneinander zu unterscheiden:
| Merkmal | Armillaria mellea | Rosellinia necatrix |
|---|---|---|
| Volksname | Hallimasch-Wurzelfäule | Weiße Wurzelfäule |
| Pilzhüte | Im Herbst honigfarbene Pilze | Keine Pilzhüte |
| Rhizomorphe | Schwarz, schnürsenkelförmig | Nicht vorhanden |
| Myzelfarbe | Weiß, fächerförmige Platten | Weiß-watteartig, dann grau-schwarz |
| Myzelgeruch | Pilzgeruch vorhanden | Kein Pilzgeruch |
| Kernholz | Wird befallen, wird schwammig | Kann nicht ins Kernholz eindringen |
| Bodenpräferenz | Sandige, durchlässige Böden | Schwere, staunasse Böden |
| Überlebensdauer im Boden | Bis zu 100 Jahre | Jahrelang (durch Sklerotien) |
| Ausbreitung | Rhizomorphe + Wurzelkontakt | Wasser + infizierte Wurzelstücke |
Schnelldiagnose im Feld
Legen Sie den Wurzelhals des absterbenden Baumes frei. Wenn sich unter der Rinde ein weißes, fächerförmiges Myzel und auf der Wurzeloberfläche schwarze Fäden (Rhizomorphe) befinden, handelt es sich wahrscheinlich um Armillaria; wenn weißes, watteartiges Myzel vorhanden ist und keine schwarzen Fäden, ist Rosellinia wahrscheinlich. Das Auftreten honigfarbener Pilze am Wurzelfuß im Herbst bestätigt Armillaria eindeutig.
Bekämpfungsmethoden
Für beide Wurzelfäulekrankheiten liegt der Schwerpunkt der Bekämpfung auf anbautechnischen Maßnahmen. Eine chemische Behandlung hat nur begrenzte Wirkung, da es schwierig ist, dass die Pflanzenschutzmittel die Wurzeln im Boden erreichen.
1. Rodung und Vernichtung befallener Bäume
Bäume mit vollständig verfaulten Wurzeln müssen ohne jedes Wurzelstück gerodet und in ihrer eigenen Grube verbrannt werden. Nach der Rodung:
- Wird in die Grube 3 kg/m3 ungelöschter Kalk eingebracht
- Oder mit 3-5%iger Bordeaux-Brühe gewaschen
- An dieser Stelle wird mindestens 2 Jahre lang kein neuer Setzling gepflanzt
2. Grabenisolierung
Um die Ausbreitung der Krankheit auf gesunde Bäume zu verhindern, wird um den befallenen Bereich ein Graben gezogen:
- Für Armillaria: 60 cm tiefer, 30 cm breiter Graben — verhindert den Durchgang der Rhizomorphe
- Für Rosellinia: Mindestens 1 Meter tiefer Graben — verhindert den Durchgang der Myzelfäden
- Bei Ansteckungsgefahr aus der Nachbarplantage wird ein 60-70 cm tiefer Umfassungsgraben an der Plantagengrenze gezogen
- Der Grabenaushub wird zur befallenen Seite hin aufgeworfen
Grabenpflege
Achten Sie darauf, dass die Gräben nicht durch Regen und Bodenerosion verfüllt werden. Ein verfüllter Graben verliert seine Schutzfunktion. Kontrollieren Sie die Gräben regelmäßig und erneuern Sie sie bei Bedarf.
3. Behandlung bei beginnendem Befall
Wenn die Infektion noch auf einen Teil der Wurzel beschränkt ist, besteht eine Rettungschance:
- Die befallenen Wurzelteile werden abgeschnitten und entfernt
- Die Schnittflächen werden gereinigt und mit einer der folgenden Mischungen behandelt:
- 5%ige Bordeaux-Brühe wird mit einem Pinsel aufgetragen
- 2%ige Kupfersulfatlösung (Blaustein) wird aufgetragen
- 5%ige Carbolineum (auf Wacholderteer-Basis) wird aufgetragen
- Nach dem Trocknen des Mittels wird die Fläche mit Baumwachs oder einer Wacholderteer-Mischung (750 g Wacholderteer + 250 g Kupfersulfat) abgedeckt
4. Vorbeugende Bodenbehandlung
Zum Schutz gesunder Bäume in der Umgebung befallener Bäume:
- Im Herbst oder Frühling wird im Bereich der Kronentraufe eine 2%ige Kupfersulfatlösung ausgebracht
- Pro Quadratmeter werden 10 Liter Behandlungslösung berechnet
- Wasser und Dünger sollten im Bereich der Kronentraufe ausgebracht werden und nicht direkt an den Wurzelhals
5. Anbautechnische Maßnahmen
- Legen Sie Drainagekanäle in der Plantage an, um Staunässe zu vermeiden
- Schützen Sie die Plantage vor Überschwemmungen
- Achten Sie bei der Bodenbearbeitung darauf, dass die Wurzeln nicht verletzt werden
- Legen Sie im Frühling die Wurzelhälse frei, damit sie durch Sommersonne und Luft abtrocknen können
- Pflanzen Sie die Haselnüsse nicht zu tief — tiefe Pflanzung fördert Wurzelhalskrankheiten
- Erhalten Sie durch regelmäßigen Schnitt die allgemeine Gesundheit der Bäume
- Vermeiden Sie übermäßige Bewässerung
Wichtige Hinweise bei der Neuanlage
Wurzelfäulekrankheiten können auch in neuen Plantagen große Probleme verursachen. Ohne vorbeugende Maßnahmen kann die gesamte Investition verloren gehen:
Standortwahl:
- Vermeiden Sie Flächen, auf denen bereits Wurzelfäule aufgetreten ist
- Bevorzugen Sie gut drainierte Böden anstelle von schweren, staunassen Böden
- Auf ehemaligen Waldflächen ist das Armillaria-Risiko hoch — der Boden muss unbedingt untersucht werden
Flächenvorbereitung:
- Alle alten Baumstümpfe und alle Wurzelstücke dicker als 2,5 cm müssen entfernt werden
- Der Boden sollte in mehreren Richtungen tief gepflügt werden, um Wurzelreste an die Oberfläche zu bringen
- Alle holzigen Rückstände müssen verbrannt werden
- Die Fläche sollte mindestens 1 Jahr brach liegen
Pflanzung:
- Verwenden Sie gesunde, zertifizierte Setzlinge
- Pflanzen Sie die Setzlinge nicht zu tief
- Tropfbewässerungsemitter sollten entfernt vom Stamm positioniert werden
- Lassen Sie eine Bodenanalyse durchführen, um pH-Wert und Nährstoffhaushalt zu kontrollieren
Boden-pH-Wert
Wurzelfäulepilze sind in sauren Böden aktiver. Halten Sie den Boden-pH-Wert durch bedarfsgerechte Kalkung im Bereich von 6,5-7,0. Dies reduziert sowohl das Krankheitsrisiko als auch verbessert die Nährstoffaufnahme der Haselnuss.
Fazit
Wurzelfäulekrankheiten sind schwer zu bekämpfende Erkrankungen, die in Haselnussplantagen zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Obwohl Armillaria und Rosellinia verschiedene Pilze sind, zerstören beide das Wurzelsystem und töten den Baum.
Zusammenfassend:
- Kontrollieren Sie bei Blattvergilbung und Triebschwäche die Wurzeln
- Honigfarbene Pilze und schwarze Fäden weisen auf Armillaria hin, weißes watteartiges Myzel auf Rosellinia
- Roden und verbrennen Sie vollständig befallene Bäume und bringen Sie Kalk in die Grube ein
- Verhindern Sie die Ausbreitung der Krankheit durch Grabenisolierung
- Versuchen Sie bei beginnendem Befall eine Behandlung mit Wacholderteer + Kupfersulfat-Mischung
- Entfernen Sie bei der Neuanlage unbedingt alte Wurzelreste
- Stärken Sie die allgemeine Widerstandskraft Ihrer Bäume durch Drainage, Schnitt und ausgewogene Düngung
Für alle Aspekte der Haselnusspflege lesen Sie unseren Haselnuss-Ratgeber, für das Spritzprogramm unseren Spritzkalender. Informationen über Blattkrankheiten finden Sie in unserem Mehltau-Ratgeber.
📚 Haselnuss-Forschungsinstitut 📚 FAO - Rosellinia necatrix 📚 PNW Pest Management Handbooks



