Krankheiten

Haselnuss-Bakterienbrand: Symptome, Bekämpfung und Vorbeugung

Was ist der Haselnuss-Bakterienbrand (Xanthomonas arboricola pv. corylina), seine Symptome, Ausbreitungswege und Bekämpfungsmethoden.

Was ist der Bakterienbrand?

Der Bakterienbrand ist eine schwere bakterielle Erkrankung, die bei Haselnussbäumen Knospensterben, Blattflecken, Astkrebs und Fruchtfäule verursacht. Der Erreger ist Xanthomonas arboricola pv. corylina (früher Xanthomonas campestris pv. corylina), der insbesondere in Baumschulen und jungen Plantagen zum Absterben ganzer Bäume führen kann.

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Erregerinformation

Wissenschaftlicher Name: Xanthomonas arboricola pv. corylina (Miller et al.) Vauterin et al. Optimale Temperatur: 28-32°C (Minimum 5-7°C, Maximum 37°C) Ausbreitung: Durch Regen, Wind, Schnittgeräte und infiziertes Pflanzmaterial

Die Krankheit tritt weltweit in allen Haselnussanbaugebieten auf. In der türkischen Schwarzmeerregion, in Italien, den USA (Oregon) und in Chile verursacht sie erhebliche wirtschaftliche Verluste in Haselnussplantagen. Besonders in den ersten 4-8 Jahren nach der Pflanzung kommt es bei jungen Bäumen durch Stammumgürtelung häufig zum Absterben.

Symptome

Der Bakterienbrand befällt nahezu alle Organe des Haselnussbaumes. Die frühzeitige Erkennung der Symptome ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bekämpfung.

An den Knospen

  • Befallene Knospen verbräunen und sterben mit der Zeit ab
  • Infizierte Knospen öffnen sich im Frühling nicht oder bilden kranke Triebe
  • Das Bakterium dringt zwischen die Knospenschuppen ein und trocknet die gesamte Knospe von innen aus

An den Blättern

  • Auf der Blattoberfläche bilden sich runde oder eckige Flecken von 1-3 mm Durchmesser
  • Im Anfangsstadium sind die Flecken gelblich-grün und wässrig
  • Mit der Zeit verfärben sich die Flecken rötlich-braun
  • Um die Flecken herum befindet sich ein charakteristischer gelblich-grüner Hof (Halo)
  • Bei starkem Befall fallen die Blätter vorzeitig ab; dies verringert die Photosynthesekapazität des Baumes

An Ästen und Trieben

  • An Trieben und Ästen bilden sich 10-25 cm lange Längskrebse
  • In den Krebsbereichen treten Längsrisse auf
  • Bei Untersuchung unter der Rinde fällt eine rötlich-braune Gewebeverfärbung auf
  • Befallene Äste erscheinen von außen vertrocknet
  • Die Blätter rollen sich ein und vertrocknen, bleiben aber am Ast hängen (charakteristisches Symptom)
  • Bei 1-2 Jahre alten Trieben und jungen Bäumen kann der Krebs den Stamm umgürteln und zum Absterben des Baumes führen

An Hülle und Frucht

  • An den Fruchthüllen bilden sich ähnlich wie an den Blättern dunkelbraune oder schwarze Flecken
  • Die Flecken sind anfangs oberflächlich, werden aber mit der Zeit tiefer und härter
  • Die Flecken an der Fruchtschale sind in der Regel rund und braun
  • Bei starkem Befall sinken Fruchtqualität und Ertrag
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Achtung bei jungen Bäumen

Der Bakterienbrand ist besonders für 1-8 Jahre alte junge Bäume sehr gefährlich. Durch Stammumgürtelung treten Baumtode am häufigsten in diesem Zeitraum auf. In neu angelegten Plantagen ist eine sorgfältige Überwachung unerlässlich.

Krankheitszyklus

Der Verlauf des Bakterienbrands im Jahresverlauf steht in engem Zusammenhang mit den Klimabedingungen und den phänologischen Phasen des Baumes.

Winter (Dezember-Februar):

  • Das Bakterium überwintert in infizierten Knospen, krebsbefallenen Ästen und Blattresten
  • Bei niedrigen Temperaturen ist es nicht aktiv, behält aber seine Lebensfähigkeit
  • In abgefallenen Blättern kann es mehr als 4 Monate überleben (im Boden kann es jedoch nicht überwintern)

Frühling (März-Mai):

  • Wenn die Temperaturen steigen und die Niederschläge einsetzen, vermehrt sich das Bakterium epiphytisch auf der Blattoberfläche
  • Beim Knospenaustrieb entstehen aus infizierten Knospen kranke Triebe
  • Durch Regenspritzer wird das Bakterium auf neue Blätter und Knospen übertragen
  • Bei Temperaturen über 20°C und in Regenperioden beschleunigt sich die Infektion

Sommer (Juni-August):

  • Das Bakterium dringt durch natürliche Öffnungen und Wunden in Blätter, Fruchthüllen und Früchte ein
  • Blattflecken werden deutlicher, Astkrebse entwickeln sich
  • Bei warmem und feuchtem Wetter erreicht die Krankheit ihren Höhepunkt
  • Infizierte Früchte tragen die Krankheit in den Herbst

Herbst (September-November):

  • Das Bakterium wandert aus infizierten Früchten und Blättern in ruhende Knospen und Astwunden
  • Beim Blattfall bilden die herabfallenden infizierten Reste eine neue Inokulumquelle
  • Der Krankheitszyklus geht in die Winterform über, um erneut zu beginnen

Ausbreitungswege

Das Verständnis der Ausbreitungswege des Bakterienbrands ist entscheidend für die Entwicklung von Schutzstrategien.

  1. Infiziertes Pflanzmaterial: Dies ist der wichtigste Ausbreitungsweg. Infizierte Setzlinge tragen die Krankheit in neue Gebiete. Eine Infektion in der Baumschule stellt ein direktes Risiko bei der Plantagenanlage dar

  2. Regenspritzer: Regentropfen übertragen die Bakterien von Blatt- und Astoberflächen auf gesundes Gewebe in unmittelbarer Nähe

  3. Wind: In Kombination mit Regen ermöglicht er die Verbreitung der Bakterien über größere Entfernungen

  4. Schnittgeräte: Scheren und Sägen, die beim Wechsel von Baum zu Baum nicht desinfiziert werden, übertragen die Krankheit direkt

  5. Wunden und natürliche Öffnungen: Blattspaltöffnungen sowie Wunden durch Hagel und Frost sind Eintrittspforten für das Bakterium

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Achtung bei der Setzlingsauswahl

Die wichtigste Ursache für die Ausbreitung der Krankheit in neue Gebiete ist infiziertes Pflanzmaterial. Fordern Sie beim Kauf von Setzlingen unbedingt ein Gesundheitszertifikat an und beziehen Sie diese von zuverlässigen Baumschulen. Ein einziger kranker Setzling kann die gesamte Plantage gefährden.

Bekämpfungsmethoden

Bei der Bekämpfung des Bakterienbrands müssen anbautechnische Maßnahmen und chemische Bekämpfung gemeinsam angewandt werden. Alleinige Pflanzenschutzmittelanwendung ist nicht ausreichend.

Anbautechnische Maßnahmen

Anbautechnische Maßnahmen bilden die Grundlage der Bakterienbrandkontrolle:

  • Verwendung gesunder Setzlinge: Verwenden Sie bei der Plantagenanlage zertifizierte, krankheitsfreie Setzlinge. Herbstpflanzung wird empfohlen
  • Schnitt und Hygiene: Schneiden Sie befallene Äste 60-100 cm unterhalb der infizierten Stelle ab. Entfernen Sie das Schnittgut aus der Plantage und verbrennen Sie es
  • Gerätedesinfektion: Desinfizieren Sie Schnittgeräte bei jedem Baumwechsel mit 10%iger Natriumhypochloritlösung (Bleichmittel) oder 70%igem Ethylalkohol. Lassen Sie die Geräte mindestens 20 Sekunden in der Lösung einwirken
  • Standortwahl: Pflanzen Sie in gut drainierte Böden mit ausreichender Nährstoffversorgung. Vermeiden Sie Standorte mit hohem Grundwasserspiegel
  • Schnittzeitpunkt: Führen Sie den Schnitt in befallenen Plantagen in den Sommer- und Wintermonaten durch, wenn das Bakterium nicht aktiv ist
  • Ausgewogene Düngung: Übermäßige Stickstoffdüngung macht die Pflanze anfälliger für die Krankheit. Sehen Sie sich unser Düngeprogramm an
  • Belüftung: Sorgen Sie für ausreichenden Abstand zwischen den Bäumen, um die Luftzirkulation zu verbessern
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Desinfektion nach dem Schnitt

Die Schere nach jedem Baum zu desinfizieren mag mühsam erscheinen, ist aber der effektivste Weg, um die Ausbreitung des Bakterienbrands von Baum zu Baum zu verhindern. Halten Sie einen Eimer mit Desinfektionslösung bereit.

Chemische Bekämpfung

Gegen den Bakterienbrand werden bei der chemischen Bekämpfung kupferbasierte Präparate (insbesondere Bordeaux-Brühe) als Schutzmaßnahme eingesetzt. Kupferverbindungen verhindern die Vermehrung des Bakteriums und beugen einer Infektion vor.

Zugelassene Präparate:

  • Bordeaux-Brühe (1%ige Lösung)
  • Kupferoxychlorid (3-9 kg/ha)
  • Kupferhydroxid (Kocide u.a.)

Die chemische Bekämpfung ist vorbeugend wirksam; nach Beginn der Infektion ist ihre Wirkung begrenzt. Daher ist der richtige Zeitpunkt sehr wichtig.

Einen detaillierten Spritzkalender finden Sie in unserem Spritzkalender.

Bordeaux-Brühe Anwendungskalender

Bei der Bekämpfung des Bakterienbrands werden drei Anwendungen pro Jahr mit 1%iger Bordeaux-Brühe empfohlen. Diese drei Behandlungen zielen auf die kritischen Punkte des Krankheitszyklus ab.

Zubereitung der Bordeaux-Brühe

Rezept für 1%ige Bordeaux-Brühe:

  • 1 kg Kupfersulfat (Blaustein, 98%ig)
  • 500 g ungelöschter Kalk
  • 100 Liter Wasser

Kupfersulfat und Kalk werden jeweils in separaten Gefäßen mit Wasser aufgelöst, dann wird die Kalklösung langsam unter Rühren zur Kupfersulfatlösung hinzugefügt (nicht umgekehrt).

1. Anwendung: Nach der Ernte (Ende August - Anfang September)

  • Sollte vor dem Einsetzen der Herbstniederschläge durchgeführt werden
  • Diese Anwendung schützt die nach der Ernte offenliegenden Wunden
  • Sie bildet eine Schutzbarriere, bevor sich das Bakterium mit den Herbstregen ausbreitet
  • Führen Sie die Anwendung an einem windstillen, trockenen Tag durch

2. Anwendung: Blattfall (November)

  • Wird angewandt, wenn 75% der Blätter gefallen sind
  • In dieser Phase wandert das Bakterium in die ruhenden Knospen
  • Die Behandlung soll verhindern, dass die Knospen infiziert werden
  • Die gesamte Baumoberfläche (Äste, Stamm, Knospen) muss gründlich benetzt werden

3. Anwendung: Knospenaustrieb (Ende März - Anfang April)

  • Wird durchgeführt, wenn die Blattknospen zu schwellen beginnen, noch bevor sie aufbrechen
  • Verhindert die Aktivierung der überwinternden Bakterien im Frühling
  • Neu austreibende Triebe werden geschützt
  • Führen Sie die Anwendung bei ruhigem und trockenem Wetter durch
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Das Timing ist entscheidend

Der Behandlungszeitpunkt bestimmt den Erfolg der Bekämpfung. Besonders die erste Behandlung vor den Herbstniederschlägen ist sehr wichtig. Eine nach Beginn der Niederschläge durchgeführte Behandlung bietet keinen ausreichenden Schutz. Die Frühjahrsbehandlung allein ist unzureichend.

Sortenempfindlichkeit

Zwischen den Haselnusssorten bestehen Unterschiede in der Anfälligkeit gegenüber dem Bakterienbrand. Untersuchungen an der Universität Ordu haben die Krankheitstoleranz von 15 türkischen Haselnusssorten untersucht:

  • Niedrigster Anteil befallener Blätter: Sorte Incekara
  • Höchster Anteil befallener Blätter: Sorte Yassi Badem
  • Niedrigster Läsionsgrad: Sorte Uzunmusa
  • Höchster Läsionsgrad: Sorte Yassi Badem
  • Stärkste antimikrobielle Wirkung: Sorte Mincane (in Blattextrakten)
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Sortenwahl

Bei der Neuanlage einer Plantage bietet die Wahl krankheitstoleranter Sorten langfristig Vorteile. Allerdings sollten bei der Sortenwahl auch Faktoren wie Klimaanpassung, Ertrag und Marktwert berücksichtigt werden. Holen Sie aktuelle Sortenempfehlungen bei Ihrer zuständigen Landwirtschaftsbehörde ein.

Fazit

Der Bakterienbrand ist eine bedeutende Krankheit, die in Haselnussplantagen zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen kann und insbesondere junge Bäume bedroht. Bei der Bekämpfung sind Frühdiagnose und ein integrierter Ansatz von großer Bedeutung.

Zusammenfassend:

  • Verwenden Sie bei der Plantagenanlage zertifizierte, gesunde Setzlinge
  • Schneiden Sie befallene Äste 60-100 cm unterhalb der Befallsstelle ab und verbrennen Sie sie
  • Desinfizieren Sie die Schnittgeräte nach jedem Baum
  • Führen Sie dreimal jährlich (nach der Ernte, bei Blattfall, beim Knospenaustrieb) eine vorbeugende Behandlung mit Bordeaux-Brühe durch
  • Vermeiden Sie übermäßige Stickstoffdüngung und sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung
  • Überwachen Sie in jungen Plantagen in den ersten Jahren die Krankheitssymptome genau

Weitere Informationen über Haselnusskrankheiten finden Sie in unserem Mehltau-Ratgeber und in unserem jährlichen Spritzkalender. Für alle Aspekte der Haselnusspflege lesen Sie unseren Haselnuss-Ratgeber.

📚 Haselnuss-Forschungsinstitut 📚 Provinzdirektion für Landwirtschaft Ordu 📚 PNW Pest Management Handbooks 📚 Lamichhane (2014) - Xanthomonas arboricola disease of hazelnut

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