Dungung

NPK-Dünger (15-15-15, 20-20-0): Einsatz im Haselnussgarten

Was ist ein Volldünger, worin unterscheiden sich 15-15-15 und 20-20-0, und wann lohnt er sich bei Haselnüssen? Nährstoffverhältnisse, Reinnährstoff-Umrechnung, Einzeldünger und Bodenanalyse.

Was ist ein NPK-Dünger?

Ein NPK- oder Volldünger enthält mehrere Pflanzennährstoffe in einem einzigen Korn. Die drei Zahlen auf dem Sack stehen immer in derselben Reihenfolge:

  • Erste Zahl → % Stickstoff (N)
  • Zweite Zahl → % Phosphorpentoxid (P₂O₅)
  • Dritte Zahl → % Kaliumoxid (K₂O)

15-15-15 bedeutet also: In 100 kg Ware stecken 15 kg Reinstickstoff, 15 kg P₂O₅ und 15 kg K₂O. Die übrigen 55 kg sind kein Nährstoff, sondern Füllstoff, Trägersalze und die Verbindungen, die das Korn zusammenhalten.

Der einzige Unterschied zu 20-20-0 liegt in der dritten Zahl: Dieser Dünger enthält kein Kalium. Türkische Böden gelten allgemein als arm an Stickstoff und Phosphor, aber vergleichsweise reich an Kalium — das ist der Hauptgrund für die Verbreitung kaliumfreier NP-Formulierungen (Tarfin).

FormulierungNP₂O₅K₂OKurzbewertung
15-15-1515 %15 %15 %Liefert alle drei Nährstoffe zu gleichen Anteilen
20-20-020 %20 %Kein Kalium, dafür dichter an N und P
20-12-15 (+Spurenelemente)20 %12 %15 %Stickstoffbetont, mit Mikronährstoffen
18-46-0 (DAP)18 %46 %Phosphorbetonter Grunddünger
18-44-0 (Harnstoffphosphat)18 %44 %Vollständig löslich, für Tropfbewässerung

In ihrer Mitteilung zur Stickstoffdüngung bei Haselnüssen nennt die Provinzdirektion Giresun als Beispiele für Volldünger ausdrücklich „15-15-15, 20-20-0, 20-12-15 + Spurenelemente“.

Bequemlichkeit oder Treffsicherheit?

Der Reiz des Volldüngers ist unbestreitbar: ein Sack, ein Arbeitsgang, eine Rechnung. Statt drei Nährstoffe getrennt zu kaufen, abzuwiegen und zu mischen, holen Sie einen einzigen Sack. Das ist eine echte Erleichterung und soll nicht kleingeredet werden.

Der Preis dieser Bequemlichkeit lautet jedoch: Der Volldünger verkauft Ihnen ein festes Verhältnis, der Bedarf Ihres Bodens ist aber nicht fest.

Ein Beispiel. Ihre Bodenanalyse liegt vor: Phosphor „ausreichend“, Kalium „mittel“, Stickstoff niedrig. Was passiert, wenn Sie hier 15-15-15 ausbringen?

  • Stickstoff beginnt den Bedarf zu decken — genau darum ging es.
  • Kalium lag ohnehin im mittleren Bereich; etwas zu viel richtet keinen großen Schaden an.
  • Phosphor wird nachgelegt, obwohl er bereits ausreichte. Das kostet dreifach: Sie bezahlen einen wirkungslosen Nährstoff, Phosphor reichert sich im Boden an, und angereicherter Phosphor blockiert die Zinkaufnahme.

Der letzte Punkt ist am Schwarzen Meer kein theoretisches Risiko. Eine Erhebung an 130 Bodenproben in Ordu ergab Zinkmangel auf 89 % der Haselnussflächen (Özkutlu et al., 2019). Der Phosphor-Zink-Antagonismus zählt zu den bekannten Ursachen dieses Befunds. Einzelheiten in unseren Ratgebern zu Zinksulfat und DAP (18-46-0).

Der umgekehrte Fall gilt ebenso. Fehlt in Ihrem Boden tatsächlich Phosphor — rund 49 % der Gartenböden in Ordu liegen beim pflanzenverfügbaren Phosphor in den Klassen „wenig“ und „sehr wenig“ (Tarakçıoğlu et al., 2017) —, dann reichen die 15 % Phosphor eines 15-15-15 meist nicht aus, um die Lücke zu schließen.

Ein Volldünger ist kein schlechtes Produkt. Er entscheidet nur nichts; die Entscheidung hat der Hersteller für Sie getroffen und dabei einen durchschnittlichen Boden unterstellt.

Die Rechnung: Wie viel Reinnährstoff kommt tatsächlich an?

Ein Bodenanalysebericht nennt nie „so und so viel kg Dünger“, sondern „so und so viel kg Reinnährstoff“. Ein Volldünger lässt sich nur über diese Umrechnung beurteilen:

Reinnährstoff (kg) = Düngermenge (kg) × Prozentanteil ÷ 100

Umrechnungstabelle 15-15-15

15-15-15 je DekarRein-NRein-P₂O₅Rein-K₂O
20 kg3,0 kg3,0 kg3,0 kg
30 kg4,5 kg4,5 kg4,5 kg
40 kg6,0 kg6,0 kg6,0 kg
50 kg7,5 kg7,5 kg7,5 kg
70 kg10,5 kg10,5 kg10,5 kg

Umrechnungstabelle 20-20-0

20-20-0 je DekarRein-NRein-P₂O₅Rein-K₂O
20 kg4,0 kg4,0 kg0
30 kg6,0 kg6,0 kg0
40 kg8,0 kg8,0 kg0
50 kg10,0 kg10,0 kg0
ℹ️

Diese Tabellen sind keine Dosierungsempfehlung

Beide Tabellen sind reine Umrechnungen, keine Anwendungsempfehlung für Ihren Garten. Welche Zeile für Sie gilt, bestimmen allein Ihr Bodenanalysebericht und die daraus abgeleitete, für Ihre Fläche erstellte Düngeempfehlung.

Was die Rechnung wirklich zeigt

Die Provinzdirektion Giresun gibt an, dass Haselnussgärten der Region in einer Vegetationsperiode 20-24 kg Reinstickstoff je Dekar benötigen. Dieselbe Quelle hält fest: Wird bis zum 15. März ein Volldünger ausgebracht, entfällt die erste Stickstoffgabe, und die zweite Gabe mit der Hälfte des Gesamtstickstoffs erfolgt nach dem 15. Mai.

Nun die Umrechnung: Die Hälfte des Stickstoffs entspricht etwa 10-12 kg Rein-N. Um sie aus 15-15-15 zu holen, bräuchte man 67-80 kg je Dekar. Derselbe Sack hinterließe dabei zugleich 10-12 kg P₂O₅ und 10-12 kg K₂O im Boden — und zwar Jahr für Jahr.

Das Haselnuss-Forschungsinstitut empfiehlt Phosphor- und Kaliumdünger dagegen nur alle drei Jahre. Schon die Arithmetik erklärt, warum ein Volldünger nur dann sinnvoll ist, wenn die Analyse alle drei Nährstoffe als knapp ausweist.

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Über Produkt und Menge entscheidet die Bodenanalyse

Keine Zahl auf dieser Seite ist eine Dosierungsempfehlung für Ihren Garten. Welche Volldünger-Formulierung eingesetzt wird und in welcher Menge, muss immer nach dem Ergebnis einer Bodenanalyse festgelegt werden. Wenden Sie sich an die Provinz- oder Kreisdirektion für Landwirtschaft und Forsten oder an einen Agraringenieur; die Direktionen bieten Landwirten Bodenanalysen und Düngeberatung an. Zur Probenahme siehe unseren Bodenanalyse-Ratgeber.

Wann ist ein Volldünger sinnvoll?

Die ehrliche Antwort: In manchen Fällen durchaus.

  • Wenn die Analyse alle drei Nährstoffe als knapp ausweist. Sind Stickstoff, Phosphor und Kalium gemeinsam niedrig, bringt ein ausgewogener Volldünger alle drei in einem Arbeitsgang in Gang.
  • In Junganlagen und im Jungpflanzenstadium. Beim Aufbau des Wurzelsystems werden alle drei Hauptnährstoffe gebraucht, und weil die Mengen klein sind, ist auch der Preis eines Verhältnisfehlers klein.
  • Auf kleinen Flächen. Auf wenigen Dekar sind drei getrennte Produkte kaum praktikabel zu kaufen, zu transportieren und abzuwiegen.
  • Wenn Arbeitskraft und Zeit knapp sind. Ein einziger Arbeitsgang ist auf steilen, verstreuten Parzellen ein echter Vorteil.

Wann ist ein Einzeldünger die bessere Wahl?

  • Wenn nur ein Nährstoff fehlt. Ist nur der Stickstoff niedrig, gehört ein Stickstoffdünger auf die Fläche; der im Volldünger mitgelieferte Phosphor und Kalium ist reine Verschwendung.
  • Wenn Phosphor ausreicht, Kalium aber niedrig ist. Hier ist Kaliumsulfat (0-0-51) das richtige Werkzeug; Kaliumchlorid scheidet aus, weil Haselnüsse chlorempfindlich sind.
  • Wenn die Nährstoffe verschiedene Termine haben. Phosphor und Kalium kommen im Winter, Stickstoff in zwei Frühjahrsgaben. Ein Volldünger presst alle drei Termine in ein Datum.

Die eigene Mischung aufzubauen ist in den meisten Gärten der treffsicherste Weg: Rechnen Sie die empfohlenen Mengen an reinem N, P₂O₅ und K₂O einzeln aus und decken Sie jede mit Einzel- oder Zweinährstoffdüngern wie DAP, Kaliumsulfat und Ammoniumsulfat. So erhält jeder Nährstoff seine eigene Menge und seinen eigenen Termin. Laut Merkblatt der Direktion Sakarya darf der Kaliumdünger in dieselben Löcher, wenn er zusammen mit Phosphor ausgebracht wird.

Wann wird der Volldünger bei Haselnüssen ausgebracht?

Weil ein Volldünger Stickstoff enthält, weicht sein Kalender von dem einer reinen Phosphor-Kalium-Gabe ab.

ZeitraumMaßnahmeQuelle / Hinweis
November – FebruarPhosphor und Kalium in 16-32 Löcher an der TraufzoneHaselnuss-Forschungsinstitut; alle 3 Jahre
Bis 15. MärzVolldünger (15-15-15, 20-20-0, 20-12-15 + Spurenelemente)Direktion Giresun; ersetzt die erste Stickstoffgabe
Nach 15. MaiZweite Hälfte des StickstoffsDirektion Giresun
November – DezemberKalkung (falls nötig)Nie gleichzeitig mit Phosphordünger

Warum kommt der Stickstoff getrennt und nicht aus dem Volldünger? Weil Stickstoff im Boden beweglich ist und ausgewaschen wird; ein Teil einer einzigen großen Gabe verlässt den Wurzelraum. Die amtliche Empfehlung lautet, den Stickstoff zu teilen: die Hälfte im März, wenn die Knospen schwellen, die andere Hälfte in der zweiten Maihälfte bis Anfang Juni. Zur zweiten Gabe betont das Merkblatt des Haselnuss-Forschungsinstituts zusätzlich: „Der in diesem Zeitraum gegebene Dünger beeinflusst den Ertrag des Folgejahres.“ Diese Teilung kann ein Volldünger nicht allein leisten; die zweite Stickstoffrate muss stets mit einem Stickstoffdünger wie Harnstoff, Ammoniumsulfat oder Kalkammonsalpeter ergänzt werden.

Wie wird ausgebracht?

Das Haselnuss-Forschungsinstitut nennt eine einzige Regel: „Bei der Düngung der Haselnuss muss der Dünger an der Traufzone (im Band) ausgebracht werden.“

Da ein Volldünger Stickstoff enthält, wird er wie ein Stickstoffdünger behandelt: Nach der Beschreibung der Direktion Giresun wird er auf ein 30-40 cm breites Band unter den Zweigspitzen gestreut und 5-10 cm tief in den Boden eingearbeitet.

Volldünger-Ausbringung Schritt für Schritt

  • Die empfohlenen Mengen an reinem N, P₂O₅ und K₂O aus dem Bodenbericht nebeneinander notieren
  • Fehlen alle drei, Volldünger wählen; fehlt nur einer, einen Einzeldünger wählen
  • Für die gewählte Formulierung die Umrechnung durchführen: wie viel Ware, wie viel Reinnährstoff
  • Die Traufzone bestimmen — dort, wo die Äste enden, nicht am Stammfuß
  • Entlang dieser Linie ein 30-40 cm breites Kreisband anlegen
  • Den Dünger gleichmäßig über das Band streuen, niemals an einer Stelle aufhäufen
  • Mit Hacke oder Maschine 5-10 cm tief einarbeiten; nicht an der Oberfläche liegen lassen
  • In Hanglagen reichen die Wurzeln weiter hangabwärts; den Dünger entsprechend verteilen
  • Ist eine Kalkung nötig, sie in einem getrennten Zeitraum durchführen

An der Oberfläche liegender Dünger geht auf zwei Wegen verloren: Der Stickstoff verflüchtigt sich oder wird vom Regen abgeschwemmt, der Phosphor bleibt in den obersten Zentimetern und erreicht die Wurzeln nie. Das Merkblatt des Haselnuss-Forschungsinstituts ist deshalb eindeutig: „Kalk, Stallmist und Stickstoffdünger müssen nach der Ausbringung unbedingt eingehackt und in den Boden eingearbeitet werden.“

Was im Volldünger fehlt

Drei Zahlen sind nicht die vollständige Einkaufsliste der Pflanze. Ein klassischer NPK-Dünger enthält Folgendes entweder gar nicht oder nur zufällig:

  • Schwefel (S): Manche 20-20-0-Formulierungen führen Schwefel aus Ammoniumsulfat mit (Tarfin), bei 15-15-15 ist Schwefel jedoch nicht garantiert. Wer eine Schwefelquelle sucht, fährt mit Ammoniumsulfat (24 % S) oder Kaliumsulfat (18 % S) verlässlicher.
  • Calcium und Magnesium (Ca, Mg): Eine Untersuchung von Haselnussgartenböden in Ordu und Giresun stellte anhand der austauschbaren Kationenverhältnisse auf einem großen Teil der Fläche ein Risiko für Calcium- und Kaliummangel fest und betonte, dass ein nachhaltiges Düngeprogramm sich nicht auf NPK beschränken darf (Ay und Kızılkaya, 2022).
  • Zink und Bor: In jedem Volldünger ohne den Zusatz „+Spurenelemente“ nicht enthalten. In Ordu waren 89 % der Gärten zinkarm und 85 % borarm (Özkutlu et al., 2019). Diese Lücken werden mit Zinksulfat, Bordüngung und Blattdüngung geschlossen.
  • Organische Substanz: Kein Volldünger verbessert die physikalische Bodenstruktur. Das ist Aufgabe des Stallmists.

Häufige Fehler

  1. 15-15-15 kaufen, „weil es alle tun“. Der Boden des Nachbarn ist nicht Ihr Boden; über das Verhältnis entscheidet die Analyse.
  2. Den Volldünger für einen vollständigen Dünger halten. NPK deckt weder Schwefel noch Mikronährstoffe ab.
  3. Jedes Jahr denselben Volldünger ausbringen. Phosphor gehört alle 2-3 Jahre auf die Fläche; jährliche Gaben reichern sich an und stören die Zinkaufnahme.
  4. Den gesamten Stickstoff vom Volldünger erwarten. Stickstoff wird geteilt; die zweite Rate braucht ein eigenes Stickstoffprodukt.
  5. Streuen und liegen lassen. Nicht eingearbeiteter Dünger verliert seinen Stickstoff an die Luft, sein Phosphor erreicht die Wurzeln nicht.
  6. Am Stammfuß abkippen. Die feinen Saugwurzeln sitzen an der Traufzone; Dünger am Stamm nützt nichts und birgt Verbrennungsgefahr.
  7. Gleichzeitig mit Kalk ausbringen. Das amtliche Merkblatt verlangt, Kalk und Phosphordünger zeitlich zu trennen.
  8. Aus Gewohnheit zur kaliumfreien Formulierung greifen. 20-20-0 enthält kein Kalium und schließt keine Kaliumlücke.

Zusammenfassung

  • Die drei Zahlen stehen für %N, %P₂O₅, %K₂O; 20-20-0 enthält kein Kalium
  • Ein Volldünger ist bequem, doch sein festes Verhältnis passt nicht zwangsläufig zum wechselnden Bedarf des Bodens
  • Alle drei knapp → Volldünger sinnvoll; nur einer knapp → Einzeldünger ist treffsicherer
  • Die Umrechnung ist einfach: Menge × Prozentanteil ÷ 100 = Reinnährstoff
  • Bei Haselnüssen wird der Volldünger bis zum 15. März als Grunddüngung gegeben und ersetzt die erste Stickstoffgabe (Direktion Giresun)
  • Die zweite Stickstoffrate nach dem 15. Mai muss aus einem eigenen Stickstoffdünger kommen
  • Ausgebracht wird in ein 30-40 cm breites Band an der Traufzone, eingearbeitet auf 5-10 cm
  • Schwefel, Magnesium und Mikronährstoffe fehlen meist und müssen getrennt geplant werden

Den vollständigen Jahreskalender finden Sie in unserem Haselnuss-Düngungsprogramm, Probenahme und Auswertung im Bodenanalyse-Ratgeber.

📚 Provinzdirektion Giresun - Stickstoffdüngung (Sommerdüngung) bei Haselnüssen 📚 Haselnuss-Forschungsinstitut - Düngung bei Haselnüssen (Schulungsreihe Nr. 4) 📚 Haselnuss-Forschungsinstitut - Anbautechnik der Haselnuss 📚 Provinzdirektion Sakarya - Düngung bei Haselnüssen 📚 Tarakçıoğlu et al. (2017), Ordu Univ. J. Sci. Tech. 📚 Ay und Kızılkaya (2022), Zeitschrift für Bodenkunde und Pflanzenernährung 📚 Özkutlu et al. (2019), Akademische Zeitschrift für Landwirtschaft 📚 Tarfin - Was ist 20-20-0-Dünger?

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